Das weltweite Wachstum verlangsamt sich immer weiter. Das können auch die Zentralbanken nicht mehr ignorieren: "Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt und ihren Kurs im März weiter gelockert", sagt Didier Saint-Georges, Geschäftsführer bei der Fondsboutique Carmignac. Die Anleihemärkte reagierten umgehend: Die Zinsen zehnjähriger US-Schuldtitel gingen von 2,7 auf 2,4 Prozent zurück. Deutsche Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit unterschritten sogar die symbolträchtige Schwelle von null Prozent.

Die Aktienmärkte haben weniger drastisch auf die Nachrichten reagiert. Sie traten im März auf der Stelle, der Weltaktienindex MSCI World legte gerade mal um 0,6 Prozent zu. "Insgesamt spiegeln die Märkte eine sehr vorsichtige Einschätzung der Konjunkturaussichten wider", sagt Saint-Georges. Für Anleger gehe es nun darum, einzuschätzen, inwieweit die Haushalts- und die Geldpolitik der einzelnen Länder in der Lage sind, die Konjunkturverlangsamung zu stoppen.

US-Steuerreform wirkt nach
In der Haushaltspolitik ist das Bild gemischt: In Europa ist die Lage nach Einschätzung des Experten relativ günstig, vor allem durch den gesellschaftlichen Druck in Frankreich und den politischen Willen in Italien. Anders sieht es in den USA aus. Dort wirkt die Steuerreform von 2017 zwar weiter nach, dürfte in diesem Jahr aber dennoch nicht mehr als 0,6 Prozentpunkte des Bruttoinlandprodukts ausmachen. "Zudem ist durch die Rivalität der Trump-Administration und der demokratischen Kongress-Mehrheit kein neuer Schwung in Sachen Haushaltsfragen zu erwarten", sagt Saint-Georges. (fp)