Naomi Waistell, Fondsmanagerin bei Carmignac, sieht in der Rally der Schwellenländer in den vergangenen Monaten einen strukturellen Regimewechsel. Emerging Markets seien nicht länger nur eine beiläufige Wachstumswette für risikowillige Anleger. Vielmehr würden sie sich zum "neuen Powerhouse der Weltwirtschaft" entwickeln. Davon dürften die Aktienmärkte weiter profitieren, schreibt Waistell in einem jüngst veröffentlichten Marktkommentar.

Wachstums-Champions
"Sie wachsen schneller, sind günstiger bewertet, profitieren vom KI‑Boom und haben sich in Schlüsseltechnologien wie etwa High‑End‑Halbleitern und Solarenergie an die Spitze vorgearbeitet", so Waistell. 2025 hätten die Schwellenländermärkte ihre stärkste Outperformance seit 15 Jahren geliefert – "gestützt auf robuste Fundamentaldaten, zyklischen Rückenwind und thematische Wachstumstreiber statt nur auf Rohstoffe".

In vielen Schwellenländern seien auch Inflation und Leistungsbilanz deutlich stabiler geworden, während stärkeres Gewinnwachstum und fortschreitende Governance‑Reformen für steigende Renditen und Ausschüttungen sorgten. Nach Jahren gewinnverwässernder Kapitalerhöhungen würden nun Aktienrückkäufe und effizienzsteigernde Maßnahmen die Profitabilität stützen – und die Kurse antreiben. Auch zyklische Faktoren wie der schwächere US‑Dollar, gestiegene Rohstoffpreise, frühere Zinssenkungen dank verminderter Inflation, stärkere Gewinnerholung und erstarkende Handelsströme zwischen den Schwellenländern seien positiv.

Hohes Gewinnwachstum, günstige Aktien
Für Naomi Waistell bieten Aktien von Unternehmen aus Schwellenländern große Chancen: "Trotz etwa 40 Prozent Bewertungsabschlag gegenüber dem US‑Markt erwirtschaften Schwellenländer rund 40 Prozent des weltweiten BIP sowie etwa 70 Prozent des globalen Wachstums und weisen das höchste Gewinnwachstum je Aktie auf."

Zugleich hätten sie sich technologisch von einfachen Herstellern zu führenden High-Tech-Unternehmen gemausert – etwa bei High‑End‑Halbleitern und KI‑Hardware, Solarenergie, Autoexporten und Spezialwerkstoffen. Investitionen in Schwellenländer würden daher nicht mehr nur als Hebel auf globales Wachstum gesehen, sondern als Engagement in eigenständige, wettbewerbsfähige Märkte. (jh)