Der Konjunkturzyklus neigt sich dem Ende. Viele Anleger spielen deshalb mit dem Gedanken, das Risiko in ihrem Portfolio zu reduzieren und Anleihen von Emittenten mit schlechter Bonität abzustoßen. Solche Überlegungen sind verständlich und richtig, sagt David Bradin, Anleiheexperte bem US-Fondsanbieter Capital Group. Anleger sollten Hochzinsanleihen aber nicht pauschal verteufeln. "Auch im High-Yield-Bereich lohnt es sich, in den sich anbahnenden volatilen und verlustreichen Marktphasen investiert zu bleiben. Es handelt sich um eine langlebige Assetklasse für langfristige Investoren", sagt der Anlageprofi.

Das wirtschaftliche Umfeld sei für Hochzinsanleihen nach wie vor gut. Der Verschuldungsgrad der Emittenten habe seinen Höhepunkt bereits erreicht. Zugleich seien die mittelfristigen Umsatz- und Gewinnziele der Unternehmen aus Sorge vor einem baldigen Abschwung leicht zurückgegangen. "Dies dürfte zusammen mit den ausbleibenden Zinserhöhungen Unternehmensanleihen nützen", sagt Bradin. Die Ausfallquote von US-amerikanischen High-Yield-Anleihen lag 2018 bei 1,8 Prozent und damit fast auf einem Allzeittief. Für den aktuellen, endenden Zyklus rechnet der Experte mit einer ähnlichen Entwicklung wie in früheren Zyklen – nämlich mit einem langsamen Anstieg.

Market-Timing ist nicht zu empfehlen
Die Suche nach dem richtigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkts ist bei High-Yields wenig zu empfehlen, meint der Rentenprofi. "Dass hochverzinsliche Unternehmensanleihen auch zum Ende eines Konjunkturzyklus' ein gutes Investment sind, zeigt der Blick auf den Bloomberg Barclays US High Yield Index", sagt Bradin. Seit der Auflegung des Index' vor 21 Jahren habe es nämlich lediglich fünf Jahre mit Verlusten gegeben. Diese hätten im Schnitt bei acht Prozent gelegen. "Würde man die Zeit der internationalen Finanzkrise herausrechnen, läge der durchschnittliche Verlust bei 3,5 Prozent", sagt der Anlageprofi. Wer durchgehend investiert geblieben wäre, hätte einen durchschnittlichen Jahresertrag von 7,4 Prozent erwirtschaftet. (fp)