Wer in Schwellenländer investiert, holt sich fast zwangsläufig Staatsunternehmen ins Portfolio. Denn der Anteil solcher Unternehmen ist in den Ländern nach wie vor hoch und es sieht auch nicht so aus, als würde sich das zeitnah ändern. Für Anleger bergen die Investments Chancen und Risiken, sagt Jeremy Cunningham, Anleiheexperte bei Capital Group.

So verfolgen einige Staatsunternehmen beispielsweise politische Ziele, die der reinen Maximierung von Gewinnen übergeordnet sind. Außerdem sind sie oft weniger transparent als Unternehmen in privater Hand. "Das kann es Investoren erschweren, an fundierte Daten zu gelangen", erklärt Cunningham. In einer Zeit, in der Handelskonflikte und eine fragile Weltwirtschaft das Anlegerverhalten beeinflussen, sind die politischen Risiken bei Staatsunternehmen außerdem hoch. "Ihre engen staatlichen Bindungen machen sie zu dankbaren Angriffszielen, wenn Zölle und Sanktionen immer häufiger als politische Waffe dienen", sagt der Anlageprofi.

Chancen für Dividendenjäger
Zugleich kann die Nähe zum Staat aber auch einen zusätzlichen Schutz bedeuten. Da die Unternehmen von offizieller Seite gestützt werden, gelten sie als weniger riskant. Das wurde vor allem im vergangenen Jahr deutlich. Während der globale Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets 21 Prozent verlor, beendeten Staatsunternehmen das Jahr mit einem Minus von rund 16 Prozent im Vergleich etwas besser. "Darüber hinaus zeigen Unternehmen, an denen Staaten maßgeblich beteiligt sind, eine positive Dividendenentwicklung", sagt Cunningham. So hätten unter anderem Russland und China ihre Staatsunternehmen gezwungen, einen Mindestanteil ihrer Gewinne an Dividenden auszuschütten. (fp)