Die Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China ist ein dunkler Schatten über den Aktienmärkten im Allgemeinen und chinesischen Papieren im Speziellen, schreibt Capital-Bank-CIO Wolfgang Ules in seinem aktuellen Blog. Er geht dabei davon aus, dass sich die Auswirkungen auf die chinesischen Konjunkturdaten schnell zeigen werden. So liegen bereits die aktuellen Aprildaten unter den Erwartungen und Ergebnissen des Vormonats. Als Reaktion darauf werden Chinas Wirtschaftslenker weitere unterstützende Maßnahmen ergreifen. Das wird die chinesische Nachfrage wieder ankurbeln. Es wird damit aber auch die stärkste chinesische Waffe im Handelsstreit aktiviert: der Renminbi.

Außenhandel: Zölle und Wechselkurse
Die Währung eines Landes stellt einen wesentlichen Ausgleichsfaktor im Außenhandel dar. Dies zeigt sich auch anhand einer einfachen von Ules aufgestellten Rechnung: Im September 2018 führte die US-Regierung Sonderzölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar ein. Bei unverändertem Warenstrom verteuerten sich die Importe für die USA dadurch um 20 Milliarden US-Dollar. Die Sonderzölle erhielten deshalb zu Recht große mediale Aufmerksamkeit. Seit Jahresbeginn bis Mitte April stieg der Renminbi auf Grund der überraschend starken chinesischen Wirtschaftszahlen um 2,85 Prozent zum US-Dollar. Die Vereinigten Staaten importierten chinesische Waren im Wert von 557,9 Milliarden US-Dollar. Durch die Veränderung des Wechselkurses, verteuerte sich die Einfuhr in die USA um 15,9 Milliarden US-Dollar.

Fast ebenso stark wie die Sonderzölle also, allerdings ohne mediales Echo. In Reaktion auf die sich wieder zuspitzenden Handelsgespräche zwischen den beiden Ländern gab der Renminbi diese Kursgewinne bis dato wieder vollständig ab. US-Importe aus China wurden langfristig also wieder um 15,9 Milliarden US-Dollar günstiger. Um die zuletzt von zehn Prozent auf 25 Prozent erhöhten Zölle auszugleichen, müsste der Renminbi noch weitere 5,5 Prozent zum US-Dollar abwerten. Das ist plausibel. Im Vorjahr sackte der Renminbi zum Dollar zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent ab. In dieser stark vereinfachten Rechnung wären die Sonderzölle in Höhe von 25 Prozent damit wieder vollständig ausgeglichen.

Zölle sind für China kein geeignetes wirtschaftspolitisches Instrument
Die gängige Lesart mag stimmen, dass Chinas verhaltene Gegenreaktion neuer Handelszölle auf US-Waren im Umfang von lediglich 60 Milliarden US-Dollar ein Zeichen des guten Willens war, um die Gespräche mit den USA in Gang zu halten. Für ein Land, dass deutlich mehr in die USA exportiert (557,9 Milliarden US-Dollar) als es importiert (179,3 Milliarden US-Dollar) stellen Zölle aber jedenfalls kein geeignetes wirtschaftspolitisches Instrument dar. Dagegen ist die Währung laut Ules deutlich wirksamer, da sie aus Sicht Chinas nicht nur die Exporte in die USA subventioniert, sondern auch die Importe aus den Vereinigten Staaten verteuert. "Trump behauptete zu Beginn der wirtschaftlichen Auseinandersetzung mit China, dass Handelskriege einfach zu gewinnen seien, wenn du mehr importierst als dein Gegner. Wenn es nur um Zölle ginge, hätte er vielleicht Recht", schreibt Ules.

Wie mächtig ist der Währungstrumpf der Chinesen?
Dabei gibt der Capital-Bank-CIO zu bedenken, dass der Renminbi für die Kapitalmärkte eine ebenso gefährliche Waffe darstellt, wie die Handelszölle selbst. "Schon die Jahre 2015 und 2016 zeigten, wie deutlich die US-Börsen auf scharfe Abwertungen der chinesischen Währung reagieren. Ein Warnzeichen an den US-Präsidenten, der den Erfolg seiner Politik am Indexstand des Dow Jones abliest", so Ules abschließend.


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