Trotz Coronavirus und Spannungen zwischen dem Iran und den USA: Die Aktienmärkte bewegen sich solide aufwärts. Nichts scheint derzeit den Optimismus der Investoren trüben zu können. Dabei ist für den weiteren Verlauf des Jahres nach wie vor Vorsicht geboten, sagt Nadège Dufossé, Anlagestrategin beim europäischen Fondshaus Candriam.

Das erste Quartal 2019 dürften vor allem die außergewöhnlichen Maßnahmen der chinesischen Behörden prägen: Ganze Regionen, die fast 50 Prozent des chinesischen Bruttoinlandprodukts (BIP) ausmachen, sind von Quarantänemaßnahmen oder Reisebeschränkungen betroffen. Zudem hat die Regierung zahlreiche Unternehmen über die übliche Urlaubszeit zum chinesischen Neujahrsfest geschlossen. "Auf China entfallen weltweit fast 30 Prozent der Industrieproduktion, mehr als 20 Prozent des Energieverbrauchs und etwas mehr als zehn Prozent des weltweiten Konsums", erklärt Dufossé. Konsum und Produktion werden in China und in anderen asiatischen Ländern vorübergehend stark betroffen sein.

Investoren sind schlechte Quartale gewöhnt
Dass Anleger trotzdem optimistisch in die Zukunft schauen, erklärt sich die Expertin damit, dass die Aktienmärkte davon ausgehen, dass diese Einbrüche – so stark sie auch ausfallen – allenfalls kurzfristiger Natur sind. Spätestens in der zweiten Jahreshälfte dürfte die Delle überwunden sein, so die Überzeugung.

Dies sei auch durchaus möglich, sagt Dufossé, wenn "sich in den kommenden Wochen der Höhepunkt der Epidemie abzeichnet, wenn die Todesfallquote nicht zunimmt und die Ansteckung außerhalb Chinas sehr begrenzt bleibt." Investoren seien in gewissem Maße an schlechte Quartale gewohnt und würden sich daher verstärkt auf den Rest des Jahres konzentrieren. Doch Dufossé mahnt: "Ob die Aktienmärkte nun optimistisch oder selbstgefällig waren, wird sich erst im Nachhinein zeigen." (fp)