Die Bank of England (BoE) rechnet wegen der grassierenden Corona-Pandemie mit der schwersten Rezessionen in Großbritannien seit ihrer Gründung vor rund 325 Jahren. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sollen die verheerendsten seit dem Absturz infolge des "Great Frost" sein, dem eiskalten Winter, der im Jahr 1709 eine landesweite Hungersnot auslöste. Das berichten verschiedene Medien, darunter die BBC. Die am Donnerstag von der Notenbank vorgelegte Prognose geht davon aus, dass die britische Wirtschaftsleistung allein im zweiten Quartal um 25 Prozent einbrechen wird. Die Arbeitslosenquote dürfte auf neun Prozent steigen, was nicht einmal nach der Finanzkrise 2008/09 der Fall war, so die "Süddeutsche Zeitung" (SZ)

Notenbank-Chef Andrew Bailey geht der SZ zufolge davon aus, dass die Wirtschaft sich nach einer Lockerung des Lockdowns nur schrittweise erholen wird. Zumal die Pläne der britischen Regierung bezüglich weiterer Schritte in der Krise unklar sind. Premierminister Boris Johnson wird sich erst am Sonntagabend in einer Fernsehansprache äußern. Allerdings werde er wohl nur geringfügige Liberalisierungen ankündigen, drang britischen Medien zufolge nach außen.

Weitere geldpolitische Maßnahmen
Die Zwangsmaßnahmen der Regierung treffen neben der Luftfahrt- und Touristikbranche, dem Gastgewerbe und der Industrie vor allem solche Wirtschaftszweige, die schon vor der Corona-Krise mit strukturellen Problemen zu kämpfen hatten. Auch der Einzelhandel leidet. Die Notenbank berichtet, dass der private Konsum seit dem Lockdown um gut 30 Prozent eingebrochen ist, so die SZ.

Damit die Haushalte nicht weiter sparen und Geld horten, appellieren die Währungshüter an alle Banken, weiter Kredite zu vergeben. Der historisch niedrige Leitzins von 0,1 Prozent wird zwar vorerst beibehalten, die BoE ließ aber keinen Zweifel daran, dass sie erneut geldpolitisch eingreifen werde, wenn sie es für nötig erachtet. Bereits im März hatte die Notenbank der Meldung zufolge zahlreiche Programme zur Stützung von Unternehmen, Bürgern und öffentlicher Hand aufgelegt. (jb)