Bond-Profi warnt vor teuren Unternehmensanleihen
Kapitalmarktanalyst Wade O'Brien von Cambridge Associates hält die Renditeprämien bei Unternehmensanleihen für zu gering – vor allem angesichts der erwarteten Emissionsflut durch KI-Emittenten.
Die Renditeprämien bei Unternehmensanleihen haben sich zuletzt nahe ihres historischen Tiefstands befunden. Wade O'Brien, Kapitalmarktanalyst bei Cambridge Associates, erwartet aber, dass das steigende Angebot an Anleihen besonders aus dem KI-Segment die Spreads unter Druck setzen dürfte. Und das ist nicht der einzige Grund zur Sorge.
KI-Emissionsflut belastet Spreads
"Eine Beschleunigung von KI-getriebenen Investitionen könnte das Angebot ankurbeln und Druck auf die Spreads ausüben", so der Analyst. Laut Schätzungen von Morgan Stanley dürfte das Bruttoangebot an US-Investment-Grade-Anleihen 2026 um etwa 25 Prozent auf einen Rekordwert von 2,25 Billionen Dollar steigen, was zum Teil auf die Emission von Hyperscaler- und damit verbundenen Infrastruktur-Anleihen im Wert von 400 Milliarden Dollar zurückzuführen sei.
O'Brien betont auch die potenzielle Diskrepanz zwischen der Nutzungsdauer der finanzierten Rechenzentren und der Laufzeit der dazu verwendeten Kredite. "Während die Nachfrage nach Rechenressourcen für Rechenzentren derzeit robust ist, ist die zukünftige Nachfrage nach Rechenzentren ungewiss." Wenn KI-Modelle effizienter werden oder wenn ein technologischer Sprung den Bedarf an Rechenleistung reduziert, könnten Chips und die Gebäude, in denen sie untergebracht sind, seiner Meinung nach vor der Rückzahlung der Schulden veralten.
Mangelhafte Risikokompensation
Die zuletzt historisch niedrigen Renditeprämien kompensieren seiner Meinung nach Anleger nicht ausreichend für die Risiken. O'Brien sagt: "Angesichts dieser Herausforderungen sollte das Kreditrisiko im Rahmen der Anlagepolitik bleiben, und hochwertigere strukturierte Anleihen, wie beispielsweise hypothekenbesicherte Wertpapiere von staatlich unterstützten Institutionen, sollten als Ersatz für Unternehmensanleihen in Betracht gezogen werden, die nur geringfügig höhere Renditen bieten, aber anfälliger für zyklische und technologische Risiken sind."
Investoren in KI-bezogene Kredite sollten sich zudem auf hochwertige Emittenten mit starken Bilanzen und stabilen Einnahmequellen konzentrieren. Komplexität sollte nur akzeptiert werden, wenn sie durch eine entsprechend attraktive Prämie kompensiert wird. (jh)















