Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sorgen nach Einschätzung von William Blair Investment Management für deutlich mehr Volatilität bei Emerging-Markets-Lokalwährungsanleihen. "Vor allem Währungen reagierten sensibel auf steigende Energiepreise und die veränderte globale Risikostimmung", schreibt Lewis Jones, Portfoliomanager im Emerging-Markets-Debt-Team des Asset Managers.

"Am stärksten zeigte sich die Bewegung im FX-Bereich: Währungen reagierten deutlich stärker als die lokalen Zinsmärkte", so Jones. Gleichzeitig erhöhe der geopolitische Schock die Unterschiede zwischen einzelnen Schwellenländern deutlich. Energieexporteure profitierten von höheren Rohstoffpreisen, während importabhängige Volkswirtschaften zunehmend unter Druck gerieten. "Dieses Umfeld unterstreicht die Bedeutung eines selektiven, länderspezifischen Positionings", schreibt Jones. 

Opportunitäten in Lateinamerika 
Besonders positiv beurteilt er derzeit mehrere lateinamerikanische Märkte. In Brasilien ist William Blair sowohl bei Lokalwährungsanleihen als auch beim Real übergewichtet. Das Land biete weiterhin hohe Realzinsen und profitiere als Nettoenergieexporteur von verbesserten Terms of Trade im Umfeld steigender Rohstoffpreise. Zudem erwartet William Blair für 2026 eine Wachstumsabschwächung, die weiteren Spielraum für geldpolitische Lockerungen eröffnen könnte.

Auch Mexiko zählt zu den bevorzugten Positionierungen. William Blair ist sowohl bei der Duration als auch beim mexikanischen Peso übergewichtet. Hintergrund seien attraktivere Bewertungen nach dem jüngsten Ausverkauf sowie die Erwartung weiterer Zinssenkungen durch die Zentralbank Banxico. Zusätzlich favorisiert der Asset Manager Anleihen des Ölkonzerns Pemex, da eine stärkere staatliche Unterstützung die Risikoaufschläge einengen könnte.

Ebenfalls konstruktiv sieht William Blair Südafrika. Der Rand habe zwar zuletzt erhöhte Volatilität gezeigt, profitiere aber weiterhin von positiven Realzinsen und einer verbesserten fiskalischen Glaubwürdigkeit. "Wir sehen den Rand in einem High-Carry- und differenzierten EM-Umfeld als vergleichsweise resilient an", schreibt Jones.

Mehrere asiatische Märkte untergewichtet
Bei mehreren asiatischen Märkten bleibt William Blair vorsichtig. Indonesien ist sowohl an den Zinsmärkten als auch im FX-Bereich untergewichtet. Als Gründe nennt der Asset Manager schwächere Steuereinnahmen, steigende Fiskalrisiken sowie die Belastungen durch höhere Energiepreise.

Auch Thailand bewertet William Blair skeptisch. Die Wirtschaft werde durch gestiegene Ölpreise und Probleme bei der Energieversorgung zusätzlich belastet. Gleichzeitig seien die Bewertungen am Anleihemarkt unattraktiv.

Im Low-Beta-Segment bevorzugt William Blair unter anderem Ungarn, Malaysia und den chinesischen Renminbi. China profitiert laut Jones unter anderem davon, im Zeitablauf umfangreiche Ölreserven aufgebaut zu haben. Zudem habe sich der Renminbi im Umfeld der jüngsten geopolitischen Spannungen vergleichsweise stabil entwickelt.

Favoriten in den Frontier-Märkten
Im Frontier-Bereich setzt William Blair vor allem auf afrikanische Märkte. Übergewichtet ist der Asset Manager unter anderem in Sambia, Uganda, Kenia und Ägypten. Attraktive Realzinsen, hohe Carry-Erträge und Fortschritte bei fiskalischer Stabilisierung und IMF-Programmen sprächen dort weiterhin für lokale Anleihen und Währungen.

Um die große Heterogenität der Schwellenländer besser abzubilden, arbeitet William Blair mit einem eigenen Beta-Segment-Ansatz. Länder werden dabei nicht primär regional eingeordnet, sondern nach Sensitivität gegenüber globalen Makrotreibern und Liquiditätsprofilen kategorisiert. Ziel sei es, Relative-Value- und Asset-Allocation-Entscheidungen stärker am jeweiligen Risikoprofil auszurichten. (dv)