Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr übernimmt Bill Gross die Rolle des Mahners. Am US-Finanzmarkt stehen die Zeichen auf Sturm, warnt der Janus-Starmanager nun erneut laut einem Bericht von Bloomberg. Das Risiko-Level ist seiner Einschätzung nach so hoch wie seit kurz vor der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Investoren müssen einen überhöhten Preis für mögliche Gewinne zahlen: "Statt billig zu kaufen und teuer zu verkaufen, kauft man teuer und drückt die Daumen", so Gross.

Der Fondsmanager gibt der US-Notenbank Fed die Hauptschuld an der ganzen Misere. Seine Argumentation: Die Niedrigzinspolitik der Notenbanker treibt die Preise künstlich nach oben, schafft aber nur wenig Wachstum für die Realwirtschaft – und bestraft überdies Sparer, Banken und Versicherer. "Geld wird in das System gepumpt, und Geld, dessen Rendite weniger als nichts ist, sucht nach einem Hafen. Nicht nur in unter-rentierlichen Bonds, sondern auch in überkauften Aktien", sagte Gross beim Bloomberg-Investmentgipfel in New York.

Aussteigen ist keine Alternative
Trotz der Sorgen über die überteuerten Assetpreise fühlt sich der Fondsmanager verpflichtet, investiert zu bleiben. Ein vertretbares Rendite-Risiko-Verhältnis sieht er etwa bei einigen Closed-End-Fonds wie dem Duff & Phelps Global Utility Income Fund oder dem Nuveen Preferred Income Opportunities Fund. Darüber hinaus hält Gross aus Diversifizierungsgründen rund zwei bis drei Prozent an börsengehandelten Fonds. "Das sind Appetizer, keine Hauptgerichte", relativierte er.

Der von Gross verwaltete, rund zwei Milliarden US-Dollar schwere Janus Henderson Global Unconstrained Bond Fund hat im laufenden Jahr per 6. Juni exakt 3,1 Prozent an Wert zugelegt und sich damit besser geschlagen als 22 Prozent der Bloomberg-Peergroup. Seit Gross den Fonds im Oktober 2014 übernommen hat, steht ein Plus von 5,4 Prozent zu Buche. (fp)