An den weltweiten Börsen wirkt es derzeit fast so, als sei die Pandemie bereits Schnee von gestern. Seit dem Crash im März haben die Märkte eine beeindruckende Rally hingelegt – und sich damit immer mehr von der realen Wirtschaftslage entfernt. Das stellt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem am Montag (14.9.) veröffentlichten Quartalsbericht fest, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

"Angesichts zahlreicher Indikatoren fällt es schwer, die deutliche Diskrepanz zwischen den Preisen riskanter Vermögenswerte und den wirtschaftlichen Perspektiven nicht zu erkennen", erklärt BIZ-Chefvolkswirt Claudio Borio. Die jüngsten Kurseinbrüche an den Aktienmärkten deuten darauf hin, dass auch immer mehr Investoren das Auseinanderdriften von Markt und Wirtschaft auffällt, heißt es in der FAZ.
 
Die Diskrepanz zwischen Kapitalmärkten und Konjunktur ist nicht nur am Aktienmarkt zu beobachten, sondern auch – und vielleicht sogar besonders gut – am Markt für Unternehmensanleihen. In ihrem aktuellen Quartalsbericht stellt die BIZ fest, dass die Risikoaufschläge für Firmen-Bonds zuletzt so niedrig lagen wie noch nie, obwohl die Corona-bedingte Wirtschaftskrise die Kreditqualität deutlich verschlechtert hat. Zugleich ist die Überschuldung vieler Unternehmen weiter gestiegen, weil sie die rekordtiefen Zinsen für die Emission neuer Anleihen genutzt haben. Das gilt sowohl für Firmen mit Investment-Grade-Rating als auch für solche mit schlechter Kreditwürdigkeit.
 
Fiskalpolitik als Zünglein an der Waage
Die "Bank der Zentralbanken" mit Sitz in Basel führt die starke Entwicklung an den Finanzmärkten vor allem auf die ultralockere Geld- und Fiskalpolitik zurück. Gerade Letztere könnte mittelfristig zum Problem werden. Die große Frage ist: Wie expansiv ist zu expansiv? BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens hatte zwar laut FAZ auf der Jahreshauptversammlung am 30. Juni gewarnt: "Geldpolitik allein kann nicht der Wachstumsmotor sein." Mit Blick auf die steigenden Schuldenberge vieler Staaten rund um den Globus muss die Fiskalpolitik indes seiner Einschätzung nach rechtzeitig auf einen Konsolidierungspfad einschwenken, um auf lange Sicht tragfähig zu bleiben. (fp)