Die deutliche Erholung an den Aktienmärkten seit Ende März eröffnet nach Meinung von Stefan Duderstedt, Leiter Investment & Client Solutions bei Merck Finck, Spielraum für Anpassungen in den Portfolios. Er setzt dabei weiter auf eine Übergewichtung von Aktien gegenüber Anleihen bei breiter Diversifizierung nach Regionen und Anlagestilen.

Geopolitik als Risikofaktor
Steigende Ölpreise im Zuge des Iran-Konflikts sorgten zuletzt für zusätzliche Unsicherheit. Wie stark die Auswirkungen auf die Märkte sind, hängt laut Duderstedt wesentlich von der Dauer möglicher Störungen in den Lieferketten ab. Während Europa und einige Schwellenländer stärker betroffen sein dürften, zeigen sich die USA wegen der geringeren Abhängigkeit von Ölimporten vergleichsweise robust.

Fokus auf Qualität
"Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Aktienquote gezielt reduziert und damit wieder näher an die strategischen Zielgewichte herangeführt", so Duderstedt. Die starke Kursentwicklung hatte den Aktienanteil zuvor automatisch erhöht. "Gleichzeitig haben wir selektiv Gewinne realisiert und Positionen in Anleihen zu attraktiveren Bewertungen wieder aufgebaut."

Im Aktiensegment liege der Fokus nun stärker auf großen, qualitativ hochwertigen Unternehmen. Dazu Duderstedt: "Steigende Energiepreise belasten erfahrungsgemäß kleinere Firmen stärker, weshalb die globale Small-Cap-Allokation reduziert wurde. Im Gegenzug wurde das Gewicht breit diversifizierter US-Aktien erhöht."

Auch im Rentenbereich setzt Merck Finck auf gezielte Beimischungen. So wurden Schwellenländeranleihen in lokaler Währung leicht aufgestockt. Diese bieten laut Duderstedt attraktive Renditen und verbessern zugleich die Diversifikation, auch durch Engagements in Ölexportländern außerhalb des Nahen Ostens.

Breite Aufstellung entscheidend
In einem unsicheren Umfeld komme es weniger auf punktgenaue Prognosen an als auf die Struktur des Portfolios, sagt der Experte. Eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hinweg bleibe entscheidend – inklusive Rohstoffen, inflationsgeschützten Anleihen und Absicherungsstrategien. Zudem empfehle sich eine maßvolle Liquiditätsquote, um flexibel auf neue Chancen reagieren zu können.

Duderstedt sagt: "Unser Ansatz bleibt entsprechend ausgerichtet: Investiert bleiben, Risiken gezielt steuern und Portfolios so aufstellen, dass sie in unterschiedlichen Szenarien bestehen können – statt von einer einzelnen makroökonomischen Entwicklung abhängig zu sein." (jh)