Die Bank of England (BoE) warnt, dass ein mehrere Billionen US-Dollar schwerer Investitionsboom in künstliche Intelligenz (KI) – zunehmend durch Fremdfinanzierung ermöglicht – ins Stocken geraten könnte. Die stark gestiegenen KI-Aktien seien "materially stretched", also deutlich überdehnt bewertet.

Laut der BoE würde eine Korrektur bei KI-Aktien auf die breiteren Kreditmärkte übergreifen. Erste Warnsignale zeigen sich demnach bereits in Credit-Default-Swaps von Unternehmen, die hohe Kredithebel nutzen, um KI-Investitionen zu finanzieren.

Hälfte von fünf Billionen Dollar KI-Ausgaben dürfte fremdfinanziert sein
Derzeit stammen die Investitionen überwiegend aus den hohen Cash-Beständen großer "Hyperscaler" wie Amazon, Meta, Nvidia & Co. Die BoE geht jedoch davon aus, dass rund die Hälfte der prognostizierten fünf Billionen Dollar KI-Ausgaben in den kommenden fünf Jahren extern finanziert wird – vor allem über Schulden.

In ihrem halbjährlichen Financial Stability Report betont die Zentralbank, ein starker Kursrückgang könnte das Vermögen britischer Haushalte und damit den Konsum belasten. Zudem drohten Verluste bei Krediten an Firmen, die massiv in KI-Infrastruktur investieren. Die Finanzierungskosten wären dann wohl für Unternehmen insgesamt höher.

Vergleiche zur Dotcom-Ära – aber Unterschiede bleiben
Zahlreiche Beobachter ziehen bereits Parallelen zur Dotcom-Blase. Gleichzeitig investieren Unternehmen intensiv in Rechenzentren und Infrastruktur, die moderne KI-Modelle stützen.

BoE-Gouverneur Andrew Bailey hebt jedoch Unterschiede zum Internetboom der 2000er Jahre hervor. Viele der heutigen KI-Unternehmen generieren positive Cashflows: "Sie entstehen nicht aus bloßer Hoffnung. Aber wie wir sehen – und wie wir vergangene Woche gesehen haben, etwa in der Debatte darüber, ob Google in Nvidias Terrain vordringt –, bedeutet das nicht, dass am Ende alle gewinnen. Und es bedeutet auch nicht, dass alle gleichermaßen gewinnen werden."

KI treibt S&P-500-Rally und US-Wachstum
Laut BoE sind zwei Drittel der diesjährigen Kursgewinne im S&P 500 auf KI zurückzuführen. Zudem habe die Technologie in der ersten Hälfte des Jahres 2025 etwa die Hälfte des US-Wirtschaftswachstums erklärt.

Im Financial Stability Report heißt es weiter: "Die Finanzierung der KI-Entwicklung erreicht einen Wendepunkt. Sollten wesentliche Kreditverluste im Zusammenhang mit KI-Finanzierungen auftreten – direkt oder indirekt –, könnte dies auf die allgemeinen Kreditbedingungen übergreifen, auch im Vereinigten Königreich."

Oracle wird zum Barometer für KI-Risiken
Die BoE verweist auf steigende Unternehmensverschuldung unter KI-Firmen und nennt erste Stresssignale: "Die fünfjährigen Credit-Default-Swap-Spreads von Oracle – einem KI-Unternehmen mit hoher Neuverschuldung zur Finanzierung von KI-Infrastrukturausgaben in diesem Jahr – haben sich seit Ende Juli von unter 40 auf rund 120 Basispunkte ausgeweitet."

Während Spreads von US-Investment-Grade-Unternehmen weitgehend stabil geblieben sind, gilt der US-amerikanische Soft- und Hardwarehersteller Oracle inzwischen als Indikator für KI-Risiken. Skeptische Investoren nutzen verstärkt Credit-Default-Swaps, um sich gegen einen möglichen Rücksetzer abzusichern.

Nvidia bleibt dominierender Player – und Risikofaktor
Nvidia bleibt mit einer Marktkapitalisierung von 4,37 Billionen Dollar das wertvollste Unternehmen der Welt. Die starke Nachfrage nach Chips, die modernste KI-Modelle antreiben, treibt den Kurs weiter nach oben.

Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr milliardenschwere Vereinbarungen mit Kunden, Partnern und sogar Konkurrenten wie Intel geschlossen. Diese enge Vernetzung verstärkt Befürchtungen einer möglichen KI-Blase, da mehrere Marktakteure zunehmend voneinander abhängig werden. (mb/Bloomberg)