An den Finanzmärkten wächst die Furcht vor einer neuerlichen Staatspleite Argentiniens, wenn der linke Oppositionskandidat Alberto Fernández im Oktober neuer Staatspräsident werden sollte. "Anleger gehen von einem Wahlsieg des Oppositionskandidaten Fernández aus", sagt Trevor Holder, Fondsmanager im Anleiheteam von Newton IM, einer Tochtergesellschaft von BNY Mellon Investment. Die Kurse am argentinischen Aktienmarkt waren nach dem Erfolg von Fernández bei den Vorwahlen abgestürzt (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Holder sieht in der aktuellen Krisensituation verschiedene Handlungsoptionen für die noch amtierende Regierung. Sie könnte zum Beispiel die Währung freigegeben. "Das allerdings birgt das Risiko extremer Marktreaktionen sowie einer inflationären Entwicklung, die den jetzigen argentinischen Präsidenten Macri weiter unter Druck setzen und die Voraussetzungen des IWF-Programms hinsichtlich der Währungs- und Preisstabilität im Land aushöhlen würde", sagt der Experte. 

Leitzinserhöhung ist keine echte Option
Alternativ könne Argentinien die Zinssätze erhöhen, allerdings liegt der Leitzins Leliq bereits bei rund 74 Prozent. "Eine Zinserhöhung ist in einer ausgewachsenen Währungskrise generell ein zu schwaches Mittel, und sie würde Argentinien in den kommenden Monaten nur noch weiter in die Rezession treiben", sagt Holder. 

Er sieht eine weitere Möglichkeit in einem Eingriff in den Devisenmarkt: "Der Eingriff könnte helfen, weitere Abwärtsbewegungen des Peso in den zwei Monaten vor den Wahlen zu begrenzen. Wenn jedoch 250 Millionen US-Dollar pro Tag in Interventionen fließen – die höchste im IWF-Programm zulässige Summe – würden nicht nur die Devisenreserven um rund 14 Milliarden US-Dollar abschmelzen, sondern auch drei Viertel der erst vor elf Monaten bewilligten IWF-Mittel verschwendet werden", sagt Holder. Die Regierung könnte damit kaum noch ihren kurz- bis mittelfristigen Schuldenverpflichtungen in Hartwährung nachkommen. "Die letzte politische Option ist aus unserer Sicht die Einführung von Kapitalkontrollen, egal in welcher Form", sagt Holder. "Keine ideale Lösung, aber womöglich besser als die Verschwendung von Devisenreserven." (fp)