Wenn die größte Volkswirtschaft der Welt einen neuen Präsidenten wählt, lässt das auch die internationalen Finanzmärkte nicht kalt. Der 3. November 2020 wird da keine Ausnahme sein, ist Vincent Reinhart, Chefökonom bei BNY Mellon, überzeugt. Zwar stehe noch nicht fest, wer gegen den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump antreten wird. "Wahrscheinlich ist jedoch, dass ein möglicher demokratischer Nachfolger im Vergleich zu Trump für höhere Staatsausgaben und eine verstärkte Preiskontrolle im Gesundheitswesen eintreten würde", sagt der Ökonom. Investoren sollten vorsichtig sein und sich darauf einstellen, dass die Aktienkurse in diesem Jahr stärker schwanken werden als in Nicht-Wahljahren.

Noch verhalten sich die Kapitalmärkte weitestgehend ruhig. Kaum ein Investor scheint Vorkehrungen für fallende Kurse zu treffen. Reinhart sieht mehrere Gründe für die derzeit vorherrschende Unbekümmertheit der Anleger. So sei das Amtsenthebungsverfahren gegenüber Trump de facto vom Tisch, und auch die anhaltenden politischen Spannungen und Fragen in Zusammenhang mit der Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen lenken vom Wahlkampf ab.

Politische Vorstellungen klaffen auseinander
Sollten die Demokraten das Amt übernehmen und es zu einer Kehrtwende bei der Politik kommen, dürfte das vor allem Unternehmen aus den Sektoren Finanzen, Gesundheitswesen und Technologie treffen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie ihre Expansionspläne zurückfahren oder auf Eis legen – und die Aktienkurse daraufhin sinken, glaubt der Ökonom.

Bleibt Trump dagegen im Amt und wird wieder gewählt, können Anleger davon ausgehen, dass alles so weiter geht wie bisher. Doch egal welchen Kandidaten die Demokraten auch nominieren, klar ist: Die politischen Vorstellungen werden bei der Wahl am 3. November auseinanderklaffen. "Investoren müssen sich dieser Unterschiede und der Volatilität bewusst sein, die die Wahlen im Jahr 2020 an den Märkten verursachen könnten", sagt Reinhart. (fp)