Wenn die Wirtschaft kriselt, steigt in der Regel die Nachfrage nach der Reservewährung US-Dollar und es kommt zu einem Mangel. Doch in der Corona-Krise ist das anders, beobachtet Paul Brain, Leiter des Fixed-Income-Teams bei Newton IM, einer Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management. Er hält es für möglich, dass die Welt auf ein multipolares Reservewährungssystem zusteuert.

Der Experte begründet seine Vermutung damit, dass viele Zentralbanken unlängst damit begonnen haben, auf die chinesische Währung zu setzen. Einige Länder wie Russland und Kasachstan hätten bereits Umschichtungen weg vom US-Dollar vorgenommen. Hinzu komme die Unfähigkeit des Internationalen Währungsfonds (IWF), sinnvoll Einfluss zu nehmen. "Die Versuche der US-Regierung auf die Auszahlungen des IWF einzuwirken, könnte weitere Institutionen und Regierungen dazu veranlassen, nach Alternativen zum Dollar zu suchen", sagt Brain.

Fed stützt Status des US-Dollars
Der Trend zur Deglobalisierung, beeinträchtigte Kapitalflüsse, die Digitalisierung der Währungen sowie die politischen Spannungen befeuern diese Entwicklung auf lange Sicht zusätzlich. Kurzfristig rechnet Brain jedoch nicht damit, dass der US-Dollar als Leitwährung abgelöst werden könnte. Denn noch würden die gegenwärtigen Marktverwerfungen und die Reaktion der US-Notenbank Federal Reserve den aktuellen Status der Währung stärken. (fp)