Zwischen der Realwirtschaft und den Finanzmärkten klafft momentan eine deutliche Lücke. Trotz der Lockerungsmaßnahmen in vielen Ländern ist die Wirtschaft weit davon entfernt, das Niveau von vor der Krise wieder erreicht zu haben. Unterdessen herrscht Hochstimmung an den Märkten. "Seit Jahresbeginn haben Anleger den Nasdaq um 17 Prozent nach oben getrieben – nicht zuletzt mangels Alternativen", sagt Mark Dowding, Investmentchef beim Vermögensverwalter Bluebay. Paradoxerweise können schlechte Wirtschaftsnachrichten die Finanzmärkte sogar stützen: "Sie führen zu Spekulationen über zusätzliche Stimuli zu einer Zeit, in der die Inflation weiterhin auf sehr niedrigem Niveau verharrt", so Dowding.

Der Vermögensexperte rät Investoren dennoch zur Vorsicht. "Anleger, die zur Überzeugung gelangen, dass angesichts der immensen Liquidität die Fundamentaldaten keine Rolle mehr spielen und die Zinssätze noch jahrelang bei oder unter Null bleiben werden, erscheinen uns höchst selbstgefällig", sagt er. Gerade die im Nasdaq gehandelten Technologiewerte könnten aufgrund der steten Kursanstiege in den vergangenen Monaten in den nächsten Wochen in eine ausgedehnte Korrektur übergehen, warnt Dowding.

W-förmige Konjunkturkurve nicht ausgeschlossen
Das Risiko, dass die Konjunktur in eine W-Form übergeht – also ein weitere Markteinbruch auf Anleger zukommt – besteht weiterhin. Zwar haben sich die Wirtschaftsdaten im Zuge der Lockerungen nach den Lockdowns in vielen Ländern verbessert. "Wir bezweifeln aber, dass diese Dynamik weiterhin trägt, was das Risiko eines W-förmigen Einbruchs im Spätsommer birgt", sagt Dowding. Er warnt deshalb vor zu viel Optimismus: "Die Volkswirtschaften befinden sich nach wie vor in desolater Lage." (fp)