Der Rückgang der Wachstumserwartungen ist für Edouard Carmignac keine Überraschung, wie der Finanzprofi in seinem aktuellen Investorenbrief schreibt: "Wir haben mit einer Wachstumsverlangsamung gerechnet", heißt es dort. Besorgniserregender ist aus seiner Sicht die Zunahme des Inflationsdrucks und die Frage nach dessen Nachhaltigkeit.

Der Preisdruck infolge der durch die Corona-Krise verursachten Störungen in den Produktionsketten ist vorübergehender Natur, ist der Chef des Pariser Vermögensverwalters überzeugt und nennt als Beispiel das wieder anlaufende Geschäft mit Halbleitern. Finsterer ist sein Blick indessen auf den Aufwärtsdruck der Energiepreise, der langfristig bestehen bleiben könnte. Neben temporären Effekten wie schwachen Winden in Europa und der saisonalen Abschaltung von Gasproduktionsanlagen stehen dahinter nämlich auch die laut Carmignac zu geringen Investitionen in die Förderung fossiler Brennstoffe.  

Moderate Inflation
Schwieriger vorherzusehen ist für Carmignac die Entwicklung der Löhne. Einerseits bemühen sich Regierungen in vielen Ländern um die Verringerung von Ungleichheiten, was Aufwärtsdruck bei den Löhnen von Geringverdienern zur Folge hat. "Andererseits halten die Corona-Hilfen einige Menschen vom Arbeitsmarkt fern", so der Altmeister.

Carmignac geht davon aus, dass sich die Inflation nach der Corona-Krise "wahrscheinlich als hartnäckig erweisen wird". Dennoch bleibt er in einem Punkt optimistisch: Strukturelle deflationäre Faktoren werden den Inflationsdruck mindern. Und: Eine moderate Inflation von etwa zwei Prozent würde die reale Schuldenlast verringern, die Verbraucher zum Konsum und die Unternehmen zu mehr Investitionen anregen und wäre zudem positiv für Aktienanlagen, glaubt der Profi. (fp)