Sobald die Pandemie überstanden ist, wird die Weltwirtschaft wieder wachsen. Doch wie stark die Erholung ausfallen wird, ist offen. Vergleiche mit früheren Krisen taugen nur bedingt, sagt Blackrock-Kapitalmarktstratege Martin Lück. Denn bei der gegenwärtigen Rezession und dem zu erwartenden wirtschaftlichen Neustart handele es sich nicht um einen klassischen ökonomischen Zyklus. "Vielmehr wird der Aufschwung, der mit dem weitgehenden Öffnen der Pandemie-Lockdowns einhergehen dürfte, sich sehr plötzlich, geradezu schwallartig vollziehen", so Lück. 

Durch den erzwungenen Konsumverzicht über Monate hat sich bei den Haushalten Nachfrage angestaut. In den USA macht diese Überersparnis laut Blackrock mittlerweile rund zwölf Prozent eines gesamten durchschnittlichen Jahresgehalts aus, in Europa immerhin acht Prozent. "Ein großer Teil dieser Übernachfrage wird sich vermutlich in den ersten Wochen und Monaten nach Öffnung der Lockdown-Restriktionen bemerkbar machen", sagt Lück. Die zweite Jahreshälfte dürfte somit nicht wie sonst durch eine allmähliche Erholung ausgehend von Welthandel und Investitionen geprägt sein. Vielmehr rechnet Lück mit einem sprunghaften Hochschnellen der Aktivität. 

Beseitigung der Lasten wird vertagt
Ein weiterer wichtiger Unterschied im Vergleich zur Finanzkrise 2008 besteht darin, dass keine größeren Folgeschäden zu beseitigen sind, sobald die Volkswirtschaft ihren Vorkrisentrend wieder erreicht hat. Die Wachstumsdynamik dürfte sich damit auch in den Folgejahren schnell wieder in den alten Trend einklinken. Als Begründung nennt der Kapitalmarktstratege, dass die ökonomischen Schäden der Pandemie zum größten Teil in Staatsverschuldung transformiert wurden, für deren schnellen Abbau das niedrige Zinsniveau keine unmittelbare Notwendigkeit generiert. "Die Beseitigung der Lasten wird einfach vertagt", sagt Lück. (fp)