Ohne Nachhaltigkeit geht in Zukunft nichts mehr – das gilt auch für die Finanzindustrie. Für Phillip Hildebrand, Vizepräsident bei der Fondsgesellschaft Blackrock, hat die Krise das noch einmal deutlich gemacht. Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) sagt er: "Im ersten Quartal, als die Märkte große Abflüsse hatten, sind weltweit über 40 Milliarden Dollar in nachhaltige Produkte geflossen. Das ist eine bemerkenswerte Zahl für eine Zeit, in der es die Märkte richtig geschüttelt hat." Insbesondere wenn man bedenke, dass viele erwartet hatten, dass Corona den Trend zur Nachhaltigkeit bremsen würde.
 
So betont man auch bei Blackrock verstärkt die Relevanz der nachhaltigen Geldanlage. "Nachhaltigkeits- und Klima-Risiken sind Investitionsrisiken. Dieser Aspekt ist fundamental. Das außer Acht zu lassen kostet Rendite", sagt Hildebrand gegenüber der FAZ. Während der Krise seien über 90 Prozent aller nachhaltigen ETF-Produkte besser gelaufen als das vergleichbare traditionelle Produkt. "Diese Fakten zeigen, dass die Nachhaltigkeit nicht nur eine theoretische Komponente hat, sondern eben eine ganz konkret praktische. Die Hypothese der besseren risikoadjustierten Performance ist bestätigt. Kapitalumschichtung findet massiv statt. Das ist ein grundlegender Strukturwandel", so Hildebrand.
 
Gesellschaftlicher Druck steigt
Nicht nur aus finanzieller Sicht täten Unternehmen gut daran, sich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Auch der Druck aus der Gesellschaft nimmt zu. "Wer sich nicht in Richtung Nachhaltigkeit bewegt, wird vom Markt abgestraft. Wie das funktioniert, ist im Energiesektor ja bestens zu beobachten. Der Druck auf Unternehmen steigt", sagt Hildebrand. Bei dem Thema abseits zu stehen könne sich niemand mehr leisten. "Das geht mittlerweile auch mit einem gesellschaftlichen Druck einher." (fp)