Es ist das Comeback dieses noch jungen Jahres: Mario Draghi, Ex-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), soll italienischer Premierministes werden. Anleger reagieren auf diese Nachricht geradezu euphorisch, berichtet Martin Lück, leitender Kapitalmarktstratege bei Blackrock. Die Risikoaufschläge zehnjähriger italienischer Staatsanleihen sind in der vergangenen Woche um 18 Basispunkte (0,18 Prozent) gesunken, der Leitindex der Mailänder Börse kletterte im selben Zeitraum um acht Prozent. "Wie keine andere Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Italien genießt Draghi Respekt und Vertrauen in nahezu allen politischen Lagern sowie in der Bevölkerung", sagt Lück.

Investoren ist Draghi vor allem mit seiner legendären Zusicherung im Sommer 2012 im Gedächtnis geblieben, dass er alles Notwendige tun werde, um den Euro vor dem Zerfall zu retten ("Whatever it takes"). Das Ansehen, das der heute 73-Jährige mit seinem entschlossenen Handeln in der Euro-Krise gewonnen hat, wird er auch brauchen, um Italien wieder in die Spur zu bringen, urteilt Lück. Immerhin: Momentan scheint der Weg für eine "Regierung der nationalen Einheit", wie Draghi sie bilden soll, weitgehend frei. "Für Marktteilnehmer wäre eine derartige Regierungsbildung eine gute Nachricht, vor allem, weil sie das Risiko vorgezogener Neuwahlen vorerst vom Tisch nimmt", sagt der Blackrock-Stratege. In diesem Fall hätten nämlich die Rechtspopulisten gute Chancen.

Schaden für die Wirtschaft könnte noch wachsen
Läuft alles wie geplant, könnten die Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen weiter sinken, prognostiziert Lück. Zugleich duldet das Stützen der Wirtschaft keinen Aufschub, warnt er – nicht nur in Italien: Die Corona-Infektionszahlen sinken in Deutschland und vielen anderen Ländern nur langsam, durch die mutierten Virus-Varianten droht neue Gefahr. Die aktuellen Lockdowns könnten fortgesetzt werden. "Das bedeutet, dass noch mehr Unternehmen in Finanznot geraten werden, dass der ersehnte Aufschwung länger auf sich warten lässt, dass der Gesamtschaden wächst", sagt Lück. Wohl dem Land, das in dieser Situation einen Lenker an seiner Spitze hat, der tut, "whatever it takes". (fp)