Deutschlands Konjunkturkurve wird anfangs steil verlaufen und dann abflachen – ganz ähnlich wie das Markenzeichen des Sportartikelherstellers Nike. Blackrock-Kapitalmarktstratege Martin Lück hält diesen sogenannten "Swoosh"-Verlauf mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für am plausibelsten: "In diesem Szenario würde die gesamte deutsche Wertschöpfung in diesem Jahr um gut sieben Prozent schrumpfen und 2021 dann um über sechs Prozent zunehmen."

Als Begründung nennt Lück Verhaltensänderungen bei Konsumenten und Unternehmen sowie dauerhafte Neustrukturierungen globaler Lieferketten als Lerneffekt aus der Pandemie. Auch Pleiten und Arbeitslosigkeit dürften eine Rückkehr zum alten Wachstumstrend erschweren. Gleichzeitig sind die Hürden für das "Swoosh"-Szenario aber auch hoch: "Voraussetzung hierfür sind wirksame Geld- und Fiskalpolitik und das Ausbleiben einer zweiten Infektionswelle", sagt Lück. Auch dürfe es keine nachhaltigen, sondern allenfalls vorübergehende Verhaltensänderungen bei Unternehmen und Konsumenten geben.

Aktien bleiben attraktiv
Trotzdem ist der Stratege für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte optimistisch. Die Zentralbankpolitik und fiskalischen Stimuli würden die höheren Bewertungen im Vergleich zu normalen Zeiten durchaus rechtfertigen, zumal "in Sichtweise eines Impfstoffes mehr und mehr Investoren anfangen werden, durch die Gewinnrezession hindurchzuschauen." Daher hätten Aktien in einem gemischten Portfolio weiterhin ihre Daseinsberechtigung. Das gilt vor allem für europäische Titel. "Europa hat die Chance, schneller aus der Krise herauszukommen als die Vereinigten Staaten, was zumindest temporär ein Übergewicht europäischer Aktien rechtfertigt." (fp)