Mit der Kursentwicklung in den ersten sechs Monaten dieses Jahres können Anleger zufrieden sein, sagt Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie bei Blackrock. Allerdings werde sich dieser Verlauf in der kommenden Jahreshälfte wahrscheinlich nicht fortsetzen. Laut Lück könnte ein Rückschlagrisiko "genau von der Seite drohen, die bisher am meisten zur positiven Performance beigetragen hat, nämlich den Zentralbanken."

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hatten trotz zahlreicher wirtschaftspolitischer Krisenherde und düsteren Wachstumsaussichten immer wieder beruhigende Signale gesandt und im Notfall eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt. Viele Unsicherheiten bleiben laut Lück jedoch bestehen: etwa der Handelskonflikt zwischen China und den USA, bei dem auch nach einem gelungenen G20-Gipfel "fundamental überhaupt nichts gelöst ist" – oder auch der Haushaltszwist zwischen der EU und Italien sowie der Brexit.

Gute Aktienentwicklung hängt von Zinssenkung der Fed ab
Die Aktienkurse seien somit von den Ankündigungen der Zentralbanken getrieben worden, jedoch nicht von eigenen Gewinnen. Dementsprechend anfällig seien sie für künftige Unwägbarkeiten, sagt der Blackrock-Stratege. Sollte die Fed aufgrund positiver amerikanischer Konjunkturdaten nicht wie erwartet die Zinsen senken, könnte das die Wall Street hart treffen: "Droht der Entzug der liebgewonnenen zinspolitischen Absicherung, werden Aktien relativ betrachtet weniger attraktiv." (fp)