Viele Investoren sehen in der gegenwärtigen Erholung an den weltweiten Aktienmärkten eine Korrektur des übermäßigen Pessimismus im Dezember. Diese Einschätzung könnte allerdings trügerisch sein, warnt Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für den deutschsprachigen Raum bei Blackrock. Der jüngste Kursanstieg könnte auch das sein, was Marktteilnehmer als "Dead Cat Bounce" bezeichnen – ein kurzer Sprung nach oben, dem alsbald ein neuer Absturz folgt.

Einiges spricht dafür, dass der Aufschwung nicht von Dauer sein wird, allen voran die weiterhin unsichere politische Lage. "Im Brexit-geplagten Großbritannien tut das Dahinsiechen der Regierung May schon beim Zuschauen weh", sagt Lück. Und in den USA dürfte das provisorische Ende des Shutdown, der die Volkswirtschaft bis dato geschätzt 0,1 Prozentpunkte Wachstum pro Woche gekostet hat, genau dies bleiben: provisorisch.

Keine Angst vor steigenden Zinsen
Solange sich die Politik nicht beruhigt, sollten sich Anleger dem Blackrock-Strategen zufolge auf das fokussieren, was einigermaßen fassbar scheint: Zinsen und Gewinne. "Die EZB hat letzte Woche relativ deutlich signalisiert, dass eine Anhebung des Einlagesatzes noch in diesem Jahr eher unwahrscheinlich ist", sagt Lück.

Die Angst vor zu stark steigenden Zinsen bekommt also vorerst keine neue Nahrung. Unternehmen schauen entsprechend optimistisch in die Zukunft. "Bleiben die Firmenchefs über den weiteren Verlauf der Berichtssaison zuversichtlich, dürften auch die Erholung der Aktienpreise und das Umfeld niedriger Volatilität in den nächsten Wochen anhalten", so Lück. (fp)