Viele Anleger haben in den vergangenen Wochen die Aktienmärkte gemieden. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa beim Vermögensverwalter Blackrock, kann das gut verstehen: In Zeiten politischer Risiken haben viele inne gehalten und auf neue Richtungsentscheidungen gewartet. Im Fokus steht dabei vor allem das angespannte Verhältnis zwischen den Welthandelsmächten USA und China. 

"Sollte sich der chinesische Präsident nach Abschluss des Volkskongresses tatsächlich auf den Weg in die USA machen, um mit Donald Trump den Handelsdeal zu unterschreiben, wäre das vermutlich noch einmal eine gute Nachricht für globale Aktien", sagt Lück. Andererseits kehrte der US-Präsident bislang aber jedes Mal, wenn er sich einem Gegner annäherte, einem anderen den Rücken zu. Das könnte vor allem zu Lasten Europas gehen. "Für uns ist das ein Grund mehr, bis auf weiteres bei unserer Untergewichtung europäischer Aktien zu bleiben", fügt der Experte hinzu. 

Amerikanischer Kampf um Autozölle wahrscheinlich
Zuletzt waren Aktieninvestments auf breiter Front teurer geworden, getrieben durch die Milde der Zentralbanken, die Hoffnung auf Entwarnung im Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie durch den Eindruck, dass der Ende 2018 verbreitete Konjunkturpessimismus doch ein wenig übertrieben war, sagt der Blackrock-Experte. Sollte es nun zum Deal mit China kommen, dürfte sich beispielsweise Trumps Auffassung zu Autozöllen gegenüber Europa verschärfen, sagt Lück. Dieses Szenario hält er aktuell für sehr wahrscheinlich. (fp)