Der 29. März rückt immer näher, und nach wie vor ist keine Einigung im Brexit-Streit in Sicht. Im Gegenteil: Die für den morgigen Mittwoch (20. März) vorgesehene dritte Abstimmung über einen von Premierministerin May mit den EU-Partnern ausgehandelten Vertragsentwurf wurde offenbar abgesagt.

In Großbritannien stehen sich drei Lager scheinbar unversöhnlich gegenüber: Jene, die sich einen harten Schnitt mit der EU wünschen. Jene, die den Deal der britischen Premierministerin unterstützen. Und jene, die überhaupt keinen Brexit wollen. Am ungünstigsten wäre es, wenn es letztlich gar kein Abkommen zwischen Großbritannien und der EU gäbe, urteilt Blackrock-Stratege Felix Herrmann.

Der Kapitalmarktexperte hält es für möglich, dass doch noch ein Sinneswandel bei jenen Parlamentariern einsetzt, die Mays Deal bisher ablehnen – allen voran bei Vertretern der nordirischen Partei DUP, die für May Mehrheitsbeschaffer im Parlament ist. Das geplante Austrittsdatum könnte sich um wenige Wochen oder Monate nach hinten verschieben, dann könnte es eine weitere Abstimmung geben, schätzt Herrmann. "Insgesamt fehlen May noch 75 zusätzliche Stimmen", sagt er.

Hauptsache klare Ansagen
Sollte das Parlament Mays Deal im dritten oder vierten Anlauf doch noch durchwinken, frei nach dem Motto "Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach", wäre das ein positives Signal für die europäischen Aktienmärkte, sagt der Blackrock-Stratege. Denn obwohl das britische Unterhaus einen ungeordneten "No-Deal-Brexit" symbolisch abgelehnt hat, hängt dieses Szenario immer noch wie ein Damoklesschwert über den Märkten.

Für britische Unternehmen wäre Klarheit über den Austritt ebenfalls ein Segen. "Sie würden unter der Unsicherheit einer längerfristigen Verschiebung des Austrittsdatums wohl fast genauso stark leiden wie unter einem ungeordneten Brexit", sagt Herrmann. Ohne zu wissen, was Sache ist, können Unternehmen schließlich weder langfristig planen noch Investitionsentscheidungen treffen. (fp)