Großbritannien, Italien, Handelskrieg: Viele Faktoren gefährden derzeit die Jahresendrally, sagt Martin Lück, Kapitalmarktstratege bei Blackrock. Zwar sind die Risikoaufschläge zehnjähriger italienischer Staatsanleihen zuletzt deutlich zurückgegangen. "Vermutlich ist es aber weniger Einsicht als Druck seitens der Wähler, welcher die Vizepremierminister Matteo Salvini und Luigi Di Maio dazu bewogen hat, gegenüber der EU Gesprächsbereitschaft zu signalisieren", sagt Lück.

Ähnlich unsicher bleibt die Lage an der Brexit-Front. Zwar erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen glimpflichen Ausgang des Dramas mit jedem Tag, den sich Theresa May im Amt halten kann. "Die Zustimmung des Unterhauses zum Deal mit der EU ist aber nach wie vor alles andere als sicher", so der Anlageprofi. Gute Nachrichten kamen dagegen aus Buenos Aires: Dort einigten sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping auf einen vorläufigen Waffenstillstand im Handelskrieg.

Hoffnung an der geldpolitischen Front
Auch die US-Notenbank Fed konnte die Investoren jüngst etwas beruhigen. "Zuletzt hatte Fed-Chairman Jerome Powell angedeutet, der US-Leitzins befinde sich schon ganz in der Nähe seines neutralen Niveaus", erklärt Lück. Mit anderen Worten: Es fehlen nur noch wenige Schritte. Vieles spricht somit dafür, dass die Fed nach der prognostizierten nächsten Zinsanhebung am 19. Dezember eine Pause einlegt. "Für verunsicherte Märkte wären das gute Nachrichten, für eine echte Jahresendrally ist das aber vermutlich zu wenig", sagt Lück. (fp)