Die Europawahl am kommenden Sonntag (26. Mai) könnte die politische Landschaft Europas deutlich verändern. Dennoch seien keine gravierenden Folgen für Börse und Anleihemärkte zu erwarten, sagt Martin Lück, Kapitalmarktstratege bei Blackrock. Zwar sei ein Rechtsruck realistisch. Doch rechnet der Experte damit, dass die Wahlerfolge der Rechtspopulisten sehr unterschiedlich ausfallen. Während er rund 30 Prozent Zustimmung für Italiens Lega erwartet, vermutet er maximal 14 Prozent für die AfD in Deutschland. 

"Allenfalls ein erdrutschartiger Sieg der Rechten würde vermutlich ausreichen, um eine sichtbare Marktreaktion hervorzurufen", sagt Lück. Verhindern könnte das der aktuelle Skandal um Österreichs rechte Regierungspartei FPÖ, der die rechtspopulistischen Parteien kurz vor der Europawahl einige Stimmen kosten dürfte. Dennoch kritisiert der Experte, dass Europa das Abschmelzen der traditionellen Mitteparteien "seltsam teilnahmslos zur Kenntnis" nehme. Ein Kommissionspräsident aus einem gemäßigten Lager habe angesichts der erstarkenden Rechtsextremen einen schweren Stand.

Andere Baustellen machen europäischen Märkten zu schaffen
Unsicherheiten für die Finanzmärkte kommen laut Lück aber vor allem aus Übersee: US-Präsident Trump droht weiterhin mit Strafzöllen auf europäische Autoimporte – es bleibt unklar, ob und wann er sie schließlich umsetzt. Hoffnungsträger ist die Nachfrage aus China, die als Wachstumstreiber für exportorientierte Nationen wie Deutschland dienen könnte. (fp)