Das Bundesverfassungsgericht hat vergangene Woche den geplanten Corona-Hilfsfonds der Europäischen Union vorläufig ausgebremst: Bundespräsident Frank Walter Steinmeier darf das Gesetz über das Corona-Konjunkturprogramm nicht unterzeichnen. Entsprechend muss das Gesetz erst einmal aufgeschoben werden, denn solange nicht alle 27 Mitgliedsstaaten unterzeichnen, kann die EU keine Corona-Bonds platzieren. "Schon dies könnte an den Märkten für Verstimmung sorgen", beklagt Martin Lück, Kapitalmarktstrategie-Leiter bei der Investmentgesellschaft Blackrock in einer aktuellen Analyse.  

Das Hinauszögern neuer Finanzprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Tradition – schon zu Zeiten der Eurokrise gab es immer wieder Versuche, etwa Anleihekäufe oder den Europäischen Stabilitätsmechanismus zu verhindern, erinnert Lück. So etwas sähe "Zweifel an der Konsistenz der Eurozone als Kern der europäischen Integration – mit Folgen für die Attraktivität europäischer Assets und Europa als Investitionsstandort insgesamt", warnt der Experte. Europa verliere sich einmal mehr im Klein-klein, während die USA bereits das nächste billionenschwere Hilfspaket in die Wege leiten.  

Technologieaktien nach wie vor attraktiv 
Auch zur Rückkehr der Value-Aktien hat der Experte eine Meinung: Seiner Ansicht nach ist die sich abzeichnende Value-Wende kein Indiz dafür, dass Technologieaktien jetzt unattraktiv seien. "Allein die Differenziertheit des Technologiesektors spricht für den Blick über den Tellerrand", erklärt Lück. Mit steigenden Aktienkursen rechnet er vor allem bei solchen Unternehmen, die sich auf künstliche Intelligenz, Halbleiter oder grüne Technologie spezialisiert haben. (fp)