Sei es die drohende militärische Auseinandersetzung mit den USA wegen des Taiwan-Konflikts, das gebremste Wirtschaftswachstum oder der angeschlagene Immobilienkonzern Evergrande: Keine Woche vergeht ohne marktbewegende Nachrichten aus China. "Jedoch der größte und möglicherweise dauerhafteste Einfluss der Veränderungen für die Weltwirtschaft, welche von China ausgehen, ist derzeit in Gestalt von Rohstoff- und Energieknappheiten zu besichtigen", sagt Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie bei Blackrock. Zwar seien die Basiseffekte, welche Produzenten- wie auch Verbraucherpreise nach oben gehebelt haben, vorhersehbar gewesen. Eine wesentlich hartnäckigere Baustelle dürfte nach Ansicht des Blackrock-Mannes jedoch die sich ändernde Rolle Chinas sein, mit der eine Neuausrichtung globaler Lieferketten einhergeht. 

China befinde sich inmitten einer Transformation, deren Auswirkungen heute noch nicht vollends absehbar, jedoch auch lange nach dem Ende der Pandemie zu spüren sein dürften. Man müsse sich im Westen von der Idee verabschieden, dass sich China mit wachsendem Wohlstand in Richtung eines westlichen Gesellschaftsmodells entwickeln wird, so Lück. Das Gegenteil sei der Fall. Der Stratege führt seine Argumentation unter anderem auf den Machtanspruch von Chinas Staatspräsident Xi Jinping zurück. 

Schlussfolgerungen für Anleger
Angesichts dieser Transformation und des Umstands, dass China nach wie vor in großen internationalen Benchmarks untergewichtet ist, ergeben sich für Anleger vier wichtige Schlussfolgerungen, so Lück. Erstens bildet die heutige Gewichtung Chinas nicht dessen reale Bedeutung für die Weltwirtschaft ab. Indes wäre, zweitens, eine faire Gewichtung in der Nähe des BIP-Anteils von 20 Prozent ebenso vermessen. Drittens ist Chinas künftige Richtung unabsehbar und führt infolgedessen zu einer Risikoprämie für Anlagen im Reich der Mitte. Und schließlich stellt sich für nachhaltig orientierte Anleger die Frage nach ethischen Investments und deren Vereinbarkeit mit Pekings Politik. (fp)