Niedrige Impfquoten und wachsende Inzidenzen sorgen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gerade für große Nervosität. Das lässt sich auch an den Finanzmärkten ablesen – mehr als vier Prozent Verlust verzeichnete der Dax allein am vergangenen Freitag. Die Nachricht über die neue aggressive Virusvariante schlug im deutschsprachigen Raum besonders ein. "Zwar liegt die Zahl der Geimpften in den USA noch niedriger als hierzulande, aber die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt mit unter 150 und einem sinkenden Trend nur einen Bruchteil der Zahlen in Deutschland (452), der Schweiz (523) oder Österreich (958)", fasst Blackrock-Kapitalmarktstratege Martin Lück zusammen. Marktteilnehmer hätten nach den Omikron-Meldungen in den "risk-off"-Modus umgeschaltet.  

Der Finanzexperte schätzt, dass die Omikron-Unsicherheit noch mindestens eine Woche bis zehn Tage anhalten könnte. Erst dann dürften mehr Details zu Übertragbarkeit, Immunumgehung und Krankheitsverläufen infolge der in Südafrika ausgebrochenen Virusmutation bekannt sein. "Sollte, was wahrscheinlich ist, die Variante auch bei uns sehr schnell dominant werden, werden vermutlich die bisher beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der vierten Welle nicht ansatzweise ausreichen", fürchtet Lück. Die Folgen – verschärfte Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen – zögen dann wiederum auch wirtschaftlich spürbare Bremsspuren nach sich: "Es ist ein Szenario, das nicht neu ist, aber in seiner Dramatik verstärkt werden würde: Ein weiteres Zurückfallen Europas hinter China und möglicherweise die USA, sowie noch mehr Unsicherheit darüber, wie die Welt nach Covid aussieht – und wann wir sie endlich zu sehen bekommen", so die düstere Prognose des Blackrock-Strategen. (fp)