Seit 1980 gab es in den USA gemäß einer Analyse von Morgan Stanley 17 Mal die eher seltenen Kapitalmarktsituation, die von beschleunigten Aufwärtsbewegungen gekennzeichnet ist und im angelsächsischen Sprachraum als "melt-up-rally" bezeichnet wird. Eine exakte Definition für das Phänomen gibt es nicht, die Ursache dafür ist aber stets dieselbe: Wenn zu viele Anleger, die nicht investiert sind, eine starke Preisbewegung nach oben verfolgen, kommt es zu einer Art "Kaufpanik".

Zu den "Warnern" vor einem sprunghaften Anstieg der US-Aktienkurse gehört auch Blackrock-Chef Larry Fink, der sich dabei vor allem auf die hohen Cash-Bestände bei vielen Investoren bezieht. Laut Morgan Stanley kann es in einem "Melt-up" Szenario zu einer sprunghaften Neubewertung des Aktienmarktes kommen. Obwohl die Kurs-Gewinn-Verhältnisse im historischen Vergleich bereits hoch sind, können sie aufgrund der Kaufwelle noch einmal kräftig anziehen.

Damit eine solche Situation eintreten kann, benötigt es allerdings einige Voraussetzungen, die laut Morgan Stanley derzeit nicht alle gegeben sind. Günstig sei die Haltung der Notenbank und die Entwicklung er zehnjährigen US-Staatsanleihen, deren Renditen derzeit fallen. Was fehlt, ist ein überdurchschnittlich hohes Wirtschaftswachstum und die Aussicht auf weiter stark steigende Unternehmensgewinne. Die "Melt-Up-Phasen" in den 1990er Jahren waren demnach von vier Prozente realem BIP-Wachstum und der Erwartung von zehn Prozent Gewinnwachstum der Unternehmen gekennzeichnet. Aktuell wachse das Inlandsprodukt mit rund 3,2 Prozent (erstes Quartal), und bei den Gewinnen der AGs rechne man mit rund sechs Prozent. Auch das Fehlen einer extrem pessimistischen Haltung der Mehrzahl der Marktteilnehmer und das vergleichsweise hohe Verbrauchervertrauen sprechen laut Morgan Stanley gegen die "Melt-up"-These. (gf)