Der Krypto-Crash hat am Mittwoch (19.11.) eine neue Phase erreicht: Bitcoin ist auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten gefallen. Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen ist seit dem Hoch Anfang Oktober damit um mehr als eine Billion US-Dollar geschrumpft.

Der Kurs der größten Kryptowährung sank zeitweise auf 88.522 Dollar. Der jüngste Kurssturz traf Investoren aller Größenordnungen – von Kleinanlegern bis zu Digital-Asset-Firmen, deren Börsenwert weiter einbricht.

Nvidia-Prognose sorgt für kurze Erholung
Nach einer starken Umsatzprognose des Chipherstellers Nvidia konnten die Tokenkurse wieder etwas Boden gutmachen. Die Aussicht auf anhaltend hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz dämpfte die Befürchtung, der globale KI-Boom könnte bald nachlassen. Bitcoin stieg am Donnerstagmorgen (20.11.) im asiatischen Handel um bis zu 2,5 Prozent.

Die nächsten psychologisch wichtigen Schwellen liegen bei rund 85.000 Dollar und 80.000 Dollar. Im Blickpunkt steht Analysten zufolge das Jahrestief von 74.425 Dollar, das im April infolge der Verwerfungen markiert wurde, die die Zollagenda von US-Präsident Donald Trump ausgelöst hatte.

Marktkapitalisierung rutscht ab
Die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen hatte im Zuge der Bitcoin-Rekordrally am 6. Oktober etwa 4,3 Billionen Dollar erreicht. Nun ist sie auf rund 3,2 Billionen Dollar abgesackt. Ein großer Teil dieser Veränderung spiegelt jedoch Buchverluste wider – kein reales Kapital, das tatsächlich den Markt verlassen hätte.

Liquidationen zeigen Marktschwäche
Mit einer Flut erzwungener Liquidationen am 10. Oktober, als mehr als 19 Milliarden Dollar an gehebelten Kryptopositionen aufgelöst wurden, trat die Fragilität des Marktes offen zutage. Verkäufe lösten eine Kettenreaktion aus – mit Nachschusspflichten, Abflüssen aus börsengehandelten Fonds und schwindendem Interesse neuer Käufer.

"Die Anleger tappen etwas im Dunkeln – sie haben keine Orientierung durch Makrodaten, sie können nur sehen, was die großen On-Chain-Akteure tun – und das beunruhigt sie zunehmend", erklärt James Butterfill, Analysechef bei Coinshares.

Fed-Hoffnungen und institutionelle Nachfrage verpuffen
Die Bitcoin-Rally auf etwas über 126.000 Dollar in diesem Jahr beruhte auf zwei Säulen: der Erwartung mehrerer Zinssenkungen durch die Federal Reserve und wachsender institutioneller Nachfrage. Beide Hoffnungen drohen inzwischen zu verpuffen, während Momentum-Käufer sich zurückziehen. Der Kursverfall trifft vor allem Digital-Asset-Firmen, deren Bewertungen auf der früheren Rally fußten.

Ethereum verliert alle Jahresgewinne
Ethereum fiel wieder unter 3.000 Dollar. Nach einer schwachen ersten Jahreshälfte hatte die zweitgrößte Kryptowährung im Sommer auf fast 5.000 Dollar zugelegt und damit kurzzeitig ihr Hoch aus dem Jahr 2021 übertroffen. Inzwischen hat sie diese Gewinne vollständig abgegeben.

"Ich glaube, wir stehen näher am Ende der Verkaufswelle als am Anfang", sagte Matthew Hougan, Chief Investment Officer von Bitwise Asset Management in San Francisco. "Aber die Märkte sind nervös, und Krypto könnte noch etwas weiter fallen, bevor sich eine stabile Basis zur Erholung bildet." (mb/Bloomberg)