Das zentralamerikanische El Salvador steht vor einem Staatsbankrott, weil es unter anderem zu stark auf Kryptowährungen gesetzt hat. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Der Staat ist der einzige weltweit, der die Kryptowährung als offizielles Zahlungsmittel eingeführt und auch selbst massiv in sie investiert ist. Bereits seit Monaten fällt der Kurs des Bitcoin. Anfang Mai verlor die Kryptowährung innerhalb weniger Tage fast ein Viertel ihres Wertes. 

Um die Staatsfinanzen ist es schlecht bestellt: Die Regierung gibt zu viel Geld aus, dazu kommen die Pandemie und die Folgen des Krieges in der Ukraine. El Salvador hat zudem keine eigene Währung, sondern nutzt den US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel – und den Bitcoin, der die sowie schon angespannte Lage noch weiter verschärft. 

Massive Verluste
Kritik gab es unter anderem vom Internationalen Währungsfonds (IWF), wie das Nachrichtenportal "Heise online" berichtet. Bereits Ende Januar forderte der IWF El Salvador auf, Bitcoin als Zahlungsmittel abzuschaffen. Die Experten sollten Recht behalten: Der Ratingagentur Moody‘s zufolge könnte El Salvador seine 2023 und 2025 fälligen Schulden nicht mehr zurückzahlen. Moody‘s sehe keinen "glaubwürdigen Plan" zur Bewältigung dieser Schulden, heißt es bei "heise online".

Der Nachrichtendienst berichtet zudem, dass Präsident Nayib Bukele seit September 2021 Bitcoins im Wert von mehr als 100 Millionen US-Dollar gekauft hat. Aktuell sollen 2.301 Bitcoin als Währungsreserve in der Staatskasse liegen, zu einem durchschnittlichen Kurs von schätzungsweise 43.500 US-Dollar. Stand heute (17. Mai) kostet eine Einheit der Kryptowährung 30.368 US-Dollar. Im Moment hat El Salvador also etwa 30 Millionen US-Dollar Miese gemacht. 

Keine Einsicht
Der Bitcoin-Kurs fällt bereits seit Monaten, dennoch möchte Präsident Bukele nicht von seiner Politik abweichen. Noch vergangenen Montag postete er auf dem Kurznachrichtendienst "Twitter", dass er 500 Bitcoin zum Preis von je 31.000 US-Dollar gekauft hatte, berichtet die SZ. Mit seiner Offensive will Bukele das Image des Landes verbessern. El Salvador soll zum Krypto-Paradies werden, sogar eine "Bitcoin City" für Gründer und Investoren ist geplant. (fp)