Die Bundesregierung erwägt offenbar, Bundesbankpräsident Joachim Nagel als deutschen Kandidaten für die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde ins Rennen zu schicken. Das berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen.

Finanzminister Klingbeil soll Nagel unterstützen
Demnach wird eine Kandidatur Nagels derzeit innerhalb der Koalition diskutiert. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) soll den Bundesbankchef unterstützen, während sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bislang nicht festgelegt habe. Ohne Rückendeckung des Kanzlers gilt eine deutsche Bewerbung allerdings als kaum realistisch.

Auslöser der Debatte sind Spekulationen über einen möglichen vorzeitigen Abschied Lagardes. Zwar hatte die EZB-Präsidentin zuletzt erklärt, mindestens bis Jahresende im Amt bleiben zu wollen. Gleichzeitig ließ sie offen, ob sie ihre bis Oktober 2027 laufende Amtszeit vollständig erfüllen wird.

Konkurrenz aus Spanien und den Niederlanden
Nach Einschätzung von Regierungsvertretern wären Nagels Erfolgsaussichten zwar begrenzt. Eine Kandidatur könnte Deutschlands Position bei der Besetzung anderer Spitzenposten innerhalb der EZB, etwa des Chefökonomen, jedoch stärken. Als weitere Bewerber für die Lagarde-Nachfolge gelten unter anderem der frühere spanische Notenbankchef Pablo Hernández de Cos sowie der ehemalige Präsident der niederländischen Zentralbank, Klaas Knot. (cf/Bloomberg)