Auch wenn sich die Erholung an den Aktienmärkten allmählich abschwächt und die Volatilität zugenommen hat: Bei den Kursen gibt es noch Spielraum nach oben. Davon sind Berenberg-Chefanlagestratege Bernd Meyer und seine Kollegen überzeugt. Die Aussicht auf ein wirtschaftlich solides Jahr 2022, hohe Bestände in Geldmarktfonds und die schlichte Alternativlosigkeit von Risikoanlagen unterstützen Aktien voraussichtlich auch im kommenden Jahr, schreiben sie in ihrem aktuellen Kapitalmarktausblick. Auf kurze Sicht könnten allerdings Notenbankentscheidungen, die Turbulenzen in China und die immer noch andauernde Corona-Pandemie auf die Kurse drücken.

"Wir bleiben optimistisch für Risikoanlagen und sehen Chancen sowohl für eine limitierte Jahresendrally als auch für eine Wiederbelebung der Reflationierung", schreiben die Berenberg-Experten. "Eine deutliche Korrektur erachten wir als unwahrscheinlich." Dennoch sind die Investmentprofis ein Stück weit vorsichtig positioniert: "Für eine deutlich offensivere Ausrichtung bräuchten wir mehr Klarheit über das Verhalten der Zentralbanken und die weitere Ausbreitung des Coronavirus."

Streuen mit Gold
Früher hätte man zur Absicherung des Portfolios in Staatsanleihen umgeschichtet. Die bleiben aber laut Meyer und Kollegen bis auf weiteres uninteressant. "Stattdessen bevorzugen wir angesichts der hohen Inflation und der negativen Realzinsen eine deutliche Position in Gold", heißt es in ihrem Bericht. Staatsanleihen bringen nämlich nicht nur fast nichts mehr ein, sondern eignen sich auch nicht mehr sonderlich gut zur Diversifizierung.

Auf der Rentenseite finden die Berenberg-Profis Unternehmens- und Schwellenländeranleihen interessant, vor allem China-Bonds, trotz teilweise sehr niedriger Risikoaufschläge. Am Aktienmarkt sehen sie Aufholpotenzial bei asiatischen Titeln. US-Aktien seien dagegen historisch teuer, woran sich so bald auch nichts ändern dürfte. (fp)