Das Bitcoin-System ist nicht so sicher, wie viele Anleger glauben, sagt Jörn Quitzau, Volkswirt bei der Berenberg Bank. Er hält die immer wieder publizierte, konstruktionsbedingte Mengenobergrenze von 21 Millionen Einheiten für einen Trugschluss. "Es gibt keine Garantie, dass das System nicht dupliziert wird", warnt er.

Einen automatisch eingebauten "Kopierschutz" gebe es bestenfalls in der Theorie. So könnten im Extremfall baugleiche Krypto-Währungen mit exakt den gleichen Eigenschaften in Umlauf gebracht werden. Im ursprünglichen Bitcoin-System würde zwar weiterhin das 21-Millionen-Limit gelten. Parallel dazu könnte die Krypto-Geldmenge aber beliebig vermehrt werden. Damit aber ist auch jedwede Diskussion um den "inneren Wert" der digitalen Devise obsolet.

Die "Geldschöpfung aus dem Nichts", für die das etablierte Geldsystem mitunter scharf kritisiert wird, macht eben auch vor der Krypto-Welt nicht halt. Auf der Website coinmarketcap.com werden bereits rund 2.000 Kryptowährungen gelistet. "Es werden praktisch täglich mehr", sagt Quitzau. Der Bitcoin-Kurswert wird deshalb langfristig davon abhängen, ob und wann es der Digitalwährung gelingt, den "First mover advantage" zu nutzen und sich als Standard unter den Kryptowährungen zu etablieren. Die in der Digitalökonomie weit verbreitete "The winner takes it all"-Logik würde dann dazu führen, dass sich die Nachfrage nach gesamte Kryptowährung im Wesentlichen auf Bitcoin konzentriert. 

Kurs-Feuerwerke sind reine Spekulation
Bitcoin wurde ursprünglich so konzipiert, dass – in Anlehnung an den Rohstoff Gold – sogenannte Miner (Schürfer) durch Rechenoperationen neue Bitcoin schürfen können. Dieser Vorgang wird mit wachsender Anzahl bereits bestehender Bitcoin aufwendiger und kommt bei Erreichen der technisch bedingten Obergrenze von 21 Millionen zum Erliegen. Willkürliche, inflationstreibende Geldschöpfung soll so ausgeschlossen werden, hieß es. 

"Bei vielen Anlegern hat das Kursphantasien geweckt", sagt Quitzau. Ob die Erwartungen der Bitcoin-Fans erfüllt werden, kann aber niemand sagen, warnt der Ökonom. "Vorerst ist der Kurs lediglich Ausdruck der Spekulation, dass es dem Bitcoin gelingen wird, eine bedeutende Rolle im Finanzsystem einzunehmen." (fp/ps)