Im zweiten Halbjahr 2020 gab es auf dem Hochzinsmarkt trotz der Covid-19-Pandemie deutlich weniger Zahlungsausfälle als erwartet, berichtet Marc Leemans, Portfoliomanager bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM). Noch im Sommer hatte die Ratingagentur Moody's in ihrem Worst-Case-Szenario eine Ausfallrate von 15 Prozent vorhergesagt und im besten Fall mit vier Prozent Ausfällen gerechnet. Tatsächlich lag die Ausfallquote bei Junkbonds Ende vergangenen Jahres bei gerade einmal 3,3 Prozent. Rechnet man die ungewöhnlich hohe Erholungsrate mit ein, verzeichnete des europäische High-Yield-Segment sogar eine Verlustrate von nur 1,5 Prozent, sagt Leemans.

Schaut man sich die Ausfälle genauer an, stellt man fest, dass sie sich auf wenige Sektoren beschränken. "Vor allem der Reise- und Freizeitbereich stand im Zentrum des Sturms", sagt der DPAM-Manager. Auch der Einzelhandel war stark betroffen. Leemans geht nicht davon aus, dass die Zahlungsausfälle im laufenden Jahr signifikant steigen. "Die am stärksten betroffenen Player wurden erfolgreich restrukturiert und verfügen nun über deutlich nachhaltigere Kapitalstrukturen", erklärt er. Darüber hinaus seien zwei Drittel der europäischen High-Yield-Emittenten in Branchen zu Hause, die von der Corona-Krise kaum betroffen sind.

Risikoaufschläge sinken trotz Krise
Die Lage auf dem Hochzinsmarkt ist trotz der Pandemie vergleichsweise entspannt. Das spiegelt sich in den Risikoprämien europäischer Ramschanleihen wider: Diese sind seit März 2020 unterm Strich zurückgegangen – eine gute Nachricht für Anleger, denn sinkende Spreads gehen in der Regel mit steigenden Kurse einher. "Diese Tendenz sollte sich zunächst weiter fortsetzen", sagt Leemans. Auf mittlere Sicht dürfte der Rückgang der Risikoaufschläge aber nicht der wichtigste Performance-Treiber für Hochzinsanleihen sein. "Wir sehen ein Umfeld, in dem der Carry der Hauptfaktor der Wertentwicklung ist", erklärt der Anlageprofi. (fp)