Für deutsche Staatsanleihen ging es in den vergangenen Monaten heftig auf und ab. In den ersten acht Monaten des Jahres flüchteten Anleger zuhauf in die als "sichere Häfen" geltenden Papiere, berichtet Daniel Hartmann, Chefvolkswirt beim Fondsanbieter Bantleon. In der Folge stiegen die Kurse, und die Renditen stürzten ab. Nach plus 0,25 Prozent zu Jahresbeginn lagen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen Anfang September bei minus 0,74 Prozent. "Seitdem hat eine Gegenbewegung eingesetzt", sagt Hartmann. Die Anleihekurse sind gefallen, die Renditen im Umkehrschluss gestiegen. Zuletzt bewegten sie sich um einen Wert von minus 0,3 Prozent herum.

Im kommenden Jahr dürften die Kurse deutscher Staatsanleihen weiter nachgeben, prognostiziert Hartmann. Der Grund: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird seiner Einschätzung nach Ende kommenden Jahres ihr Programm der geldpolitischen Lockerung beenden. "Diese Trendwende werden die Investoren an den Anleihemärkten vorwegnehmen", sagt Hartmann. Sie werden sich also seiner Ansicht nach von sicheren Staatsanleihen abwenden und so deren Kurse unter Druck setzen. Damit wären die Papiere auch für jene Investoren, die sie trotz allem im Depot behalten wollen, kaum noch ein "sicherer Hafen".

Rückschläge sind jederzeit möglich
Was überzeugte Rentenanleger beunruhigt, freut Aktieninvestoren. Die EZB wird ihre ultralockere Geldpolitik schließlich nur dann aufgeben, wenn sich das konjunkturelle und geopolitische Umfeld deutlich aufhellt. Genau damit rechnet der Bantleon-Experte für das kommende Jahr. Eine solidere Konjunktur und weniger geopolitische Probleme würden die Aktienmärkte unterstützen. Auf kurze Sicht könnte es allerdings doch noch einmal eine Fluchtbewegung in "sichere Häfen" geben, sagt Hartmann: Falls der Handelskrieg zwischen China und den USA Anfang 2020 noch einmal eskaliert. (fp)