Am verganenen Mittwoch (10. November) hat das US-Statistikamt nach eine Zahl mit gewaltiger gesellschaftlicher Sprengkraft verkündet: 6,2 Prozent Inflation und damit die höchste Rate seit 32 Jahren. Trotz dieses Rekords hält die US-Notenbank Fed unerschütterlich daran fest, dass es sich bei dem aktuellen Preisschub um ein vorübergehendes Phänomen handele. Mit dieser Einstellung beweisen die Währungswächter ein hohes Maß an Zweckoptimismus, urteilt Andreas Busch, Ökonom bei der Investmentgesellschaft Bantleon.

Der Wirtschaftsexperte hält es für sehr wahrscheinlich, dass eine Lohn-Preis-Spirale in Gang kommt, die die hohen Inflationsraten verfestigt. "Schließlich werden die Unternehmen im Umfeld einer robusten Konsumnachfrage die Kosten mehr und mehr überwälzen", argumentiert er. "Die Arbeitnehmer sollten daraufhin noch höhere Lohnforderungen stellen, die angesichts der angespannten Arbeitsmarktlage auch erfüllt werden dürften."

Immer positiv bleiben
Dass die Notenbank den sich abzeichnenden Teufelskreis noch nicht öffentlich angesprochen hat, findet Busch indes nicht verwunderlich. "Sie würde die ohnehin schon im Aufwind befindlichen Inflationserwartungen weiter befeuern", erklärt er. Die Notenbanker seien praktisch dazu gezwungen, öffentlich Optimismus zu verbreiten. Das bedeute aber nicht, dass sie sich der Gefahr nicht bewusst seien. Das zeige sowohl die Ankündigung von Fed-Chef Jerome Powell, dass bereits im kommenden Jahr der Leitzins steigen könnte, als auch das überraschend zügige Tapering. (fp)