China und die USA arbeiten an einem neuen Deal, und auch in Sachen Brexit geht es voran: Die positive Entwicklung politischer Krisenherde sorgt derzeit für eine Welle der Euphorie an den weltweiten Aktienmärkten. "Vor allem das Ende des Handelskrieges dürfte die Stimmung beflügeln", sagt Daniel Hartmann, Chefvolkswirt bei Bantleon. Er sieht diese Entwicklung aber durchaus kritisch: "Aus unserer Sicht ist nicht auszuschließen, dass die Aktienbörsen momentan zu blauäugig auf die politische Karte setzen", sagt er.

Der Grund: Für nachhaltig steigende Aktienkurse braucht es vor allem eine erneute Beschleunigung des Gewinnwachstums. Das ist jedoch angesichts der weltweit anziehenden Löhne nur möglich, wenn die Unternehmen gleichzeitig auch Preiserhöhungen durchsetzen können. Ob ihnen das gelingt, ist vor dem Hintergrund der aktuellen Konjunkturdaten fraglich. Zumindest die Europäische Zentralbank (EZB) glaubt nicht daran. "Für viele EZB-Beobachter steht fest, dass die Währungshüter 2019 um zusätzliche expansive Maßnahmen nicht herumkommen werden", sagt Hartmann. 

Besserung erst im zweiten Quartal
Der vorherrschende Optimismus an den Aktienmärkten deckt sich nicht mit der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung: Die Konjunktur in der Eurozone schwächelt ebenso wie die Inflation, die weiterhin auf der Stelle tritt. "Enttäuschen die Konjunkturbarometer der Eurozone im März erneut, könnte es nochmals zu einem Rücksetzer bei Risikoassets kommen", sagt der Chefökonom. Er geht davon aus, dass sich das konjunkturelle Umfeld erst im zweiten Quartal stabilisieren wird. Erst wenn das geschehen sei, dürfte auch die EZB von ihrem expansiven Kurs abweichen. (fp)