Weltweit driften die Auffassungen immer mehr auseinander, wie die Geldpolitik auf die aktuelle konjunkturelle Lage reagieren soll. In Europa stieß Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), mit seiner Neuauflage des QE-Programms auf den größten Widerstand seiner Amtszeit. Auch die US-Währungshüter sind gespalten. Das zeigt unter anderem die ausgeprägte Uneinigkeit bei den sogenannten Dots, den Punktprognosen der einzelnen US-Währungshüter zum Leitzinsniveau am Ende dieses und der kommenden Jahre.

"Während sieben der 17 Notenbanker mit einer nochmaligen Lockerung um 25 Basispunkte bis Ende des Jahres rechnen, gehen fünf davon aus, dass die Fed-Funds-Rate sogar wieder um 25 Basispunkte angehoben wird", sagt Bantleon-Ökonom Andreas Busch. Auf der einen Seite formieren sich also die Skeptiker, die eine nachlassende Konjunkturdynamik erwarten. Und auf der anderen Seite die Optimisten, die mit einer Wachstumsbelebung rechnen.

Fed Rate dürfte sinken
Laut Busch haben beide Sichtweisen ihre Berechtigung. "Kurzfristig ist der Ausblick trübe, mittelfristig aber hellen sich die Perspektiven wegen der deutlich verbesserten Finanzierungskonditionen auf", sagt der Volkswirt. Das zeigen unter anderem die Immobiliendaten.

Der Rückgang bei 30-jährigen Hypothekenzinsen von rund 5,20 Prozent auf zwischenzeitlich 3,80 Prozent ließ die Hausverkäufe im August auf den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren klettern. Der Bantleon-Ökonom rechnet deshalb damit, dass die Fed-Funds-Rate noch ein weiteres Mal sinken wird. Dann aber dürfte der Tiefpunkt erreicht sein. (fp)