Seit es die Börse gibt, suchen Anleger nach allgemeingültigen Regeln für den Anlageerfolg. Eine der meist zitierten Weisheiten lautet "Sell in may and go away", auf Deutsch: "Verkaufe im Mai und bleib' dabei.". Das Bankhaus Krentschker & Co. hat nun analysiert, inwiefern die Regel in der heutigen Zeit noch greift. Das Ergebnis ist eindeutig: "Betrachtet man die historischen Wertentwicklungen des MSCI World der letzten 15 Jahre, zeigt sich rasch, dass der Wahrheitsgehalt dieser Börsenweisheit heute keine Gültigkeit mehr besitzt", heißt es in dem Bericht.

Seit dem Jahr 2005 gab es nur zwei Phasen im Sommer (2011 und 2017), wo sich Investoren wirklich drei durchgehend negative Monate erspart hätten, wenn sie im Mai ausgestiegen und im September wieder eingestiegen wären. In den meisten Jahren waren die Entwicklungen gemischt. Mehr noch: "In den Jahren 2006, 2012 und 2014 hätte man überhaupt durchwegs positive Wertentwicklungen verpasst, wenn man über die Sommermonate ausgestiegen wäre", schreiben die Experten.

Richtiges Timing ist schwierig
Ihr Fazit: Einige Börsenweisheiten, die früher valide erschienen, sind heute überholt. Speziell bei Aktien macht es aus Sicht der Experten wenig Sinn, sich auf das richtige Timing zu verlassen, da es nicht nur schwierig bis unmöglich ist, den optimalen Ausstiegszeitpunkt zu treffen, sondern auch wieder den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden.

Ganz im Gegenteil: Langfristige Geldanlage sollte zum Ziel haben, bei fallenden Kursen die günstigen Niveaus für Nachkäufe zu nutzen, um anschließend an den wieder steigenden Kursen zu partizipieren. "Dies bedingt neben dem langfristigen Horizont allerdings auch eine gewisse Risikobereitschaft als Anleger, der Aktien kauft", so die Experten. (fp)