Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit, heißt es. Was die Bankbranche betrifft, scheinen die Uhren seit Längerem nachzugehen: Selbst mehr als ein Jahrzehnt nach Beginn der Finanzkrise stehen Anpassungen an regulatorische Vorgaben noch immer ganz oben auf den To-do-Listen vieler Institute. Grund: Die technische Implementierung neuer Vorschriften, die dem Sektor nach 2008 auferlegt wurden, hat bisher nur halbherzig stattgefunden. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer Studie, die Cofinpro – eine auf Finanzdienstleister spezialisierte Unternehmensberatung – erstellt hat.

Innovationen? Nur, wenn es unbedingt sein muss
Um gesetzte Fristen nicht zu reißen, bis zu denen Banken neue Verfügungen umgesetzt haben mussten, sei zu Beginn häufig technische Flickschusterei betrieben worden, die die Geldhäuser auch bei der Bewältigung anderer Digitalisierungsprojekte ins Hintertreffen geraten ließ. Erst seit die Konkurrenz durch kleine Fintechs und amerikanische Konzerne wie Amazon, Facebook oder Apple Aufmerksamkeit erlangte und den Herausforderern zugetraut wird, etablierten Finanzunternehmen Kunden abspenstig zu machen, setzt sich eine neue Erkenntnis durch: Das Tempo des Wandels wird rasant zunehmen.  

"Natürlich müssen die oftmals noch behäbigen Finanzinstitute ihre Prozesse weiter straffen, Abläufe standardisieren und regulatorische Aufgaben erfüllen", sagt Markus Koschier, Manager bei Cofinpro. Wenn sie jedoch gegen Bigtechs und Fintechs bestehen wollen, müssten sie sich auf viel grundsätzlichere Veränderungen einlassen, empfiehlt Koschier und gibt den Banken an die Hand: "Kundenfeedback ernst nehmen, Versuchsreihen am Markt erproben und innovative Lösungen auf der Ebene der Geschäftsmodelle installieren: Das wäre ein Schritt Richtung Zukunft."

Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander
Im Herbst 2019 führte Cofinpro gemeinsam mit der Zeitschrift "Die Bank" und dem "IT Finanzmagazin" eine Befragung zum Thema "Innovationen und Trends 2020" durch. Insgesamt 111 Experten von Finanzdienstleistern, zwei Drittel davon Führungskräfte, nahmen an der Umfrage teil. Die Studie stellt interne und externe Perspektiven einander gegenüber.

Im Ergebnis zeigt sich eine besonders große Diskrepanz: Auf der einen Seite sind Innovationen in der Einschätzung der Umfrageteilnehmer entscheidende Erfolgstreiber, auf der anderen Seite hapert es bei deren Implementierung auf Unternehmensebene. Und häufig sind – aus subjektiver Sicht – äußere Umstände daran schuld.

Die spannendsten Resultate haben wir in unserer Chartgalerie oben aufbereitet. (tw)