"Wenn wir nicht so ein stabiles und flexibles Bankwesen hätten, das mit der Regierung zusammengearbeitet hat, dann wären wir ins absolute Chaos verfallen", sagt KPMG-Bankenexperte Alexander Lippner in einem Interview mit FONDS professionell. Die Wichtigkeit eines funktionierenden Bankensystems habe wieder einen Wert bekommen.

Allerdings müssten sich die Banken sehr wohl auf noch härtere Zeiten einstellen. Derzeit gebe es noch relativ wenige Kreditausfälle bei den Unternehmen, sagt Lippners Kollege, der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Bernhard Gruber: Die Republik sorgt mit 100-Prozent-Garantien dafür, dass die Unternehmen weiter Zugang zu Finanzmitteln bekommen, die Banken können aufgrund gelockerter Sorgfaltspflichten Kredite schneller vergeben und auch die aufgeweichten Insolvenzvorschriften sorgen dafür, dass weniger Unternehmen zahlungsunfähig sind. "Es ist aber schon zu erwarten, dass mit ein paar Monaten Verzögerung – im Spätsommer, Herbst – die Ausfälle bei den Banken wesentlich steigen werden", so Gruber. Bei internationalen Banken, die bereits ihre Abschlüsse veröffentlicht haben, sehe man eine Bandbreite der Steigerung bei den Kreditvorsorgen von 300 bis 1.000 Prozent. "Jedenfalls wird es bei den meisten eine Vervielfachung", so Gruber.

Vertrauenskrise droht bei Deregulierung
Ähnlich wie rund um die Finanzkrise 2008 sei auch heute die Liquidität und das Vertrauen der Banken untereinander wieder ein sensibles Thema. Allerdings gebe es einen wesentlichen Unterschied: "Damals wusste niemand, was andere Marktteilnehmer an toxischen Assets in den Büchern hatten", so Gruber. Diese Intransparenz gebe es zwar im Moment nicht. "Eine gewisse Gefahr gab es aber am Anfang, als EBA und EZB gesagt haben, dass die Spielräume bei den Rechnungslegungsstandards möglichst weit ausgelegt werden sollen – zum Beispiel, dass man längerfristige Betrachtungen zugrunde legen sollte", so Gruber.

Wären die Lockerungen zu weit gegangen, hätte das zu Intransparenz und in der Folge zu einer Misstrauenskrise führen können. "Kein Marktteilnehmer würde mehr wissen, ob die Risikovorsorgen, die der andere hat, wirklich angemessen sind", warnt Gruber.


Das gesamte Interview finden Sie in der Printausgabe 2/2020 von FONDS professionell, die Abonnenten dieser Tage zugestellt wird. Angemeldete KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.