Die Bank of Japan hat ihren Leitzins auf den höchsten Stand seit 1995 angehoben und signalisiert, dass eine weitere Normalisierung der Geldpolitik bevorsteht. Die geldpolitische Sitzung fand krankheitsbedingt ohne die Anwesenheit des Zentralbankchefs statt.

Die japanische Notenbank hob ihren Leitzins am Dienstag (16.6.) um 0,25 Prozentpunkte auf ein Prozent an. Zugleich kündigte sie an, ihre Anleihekäufe ab April 2027 bei rund zwei Billionen Yen (10,8 Mrd. Euro) pro Monat stabil zu halten und die Reduzierung der Käufe damit zu beenden.

Entscheidung weitgehend erwartet
Die Entscheidungen waren von Ökonomen und Marktteilnehmern weitgehend erwartet worden. Die Abstimmung über die Zinserhöhung fiel mit sieben zu eins Stimmen aus. Ratsmitglied Toichiro Asada stimmte dagegen.

Der Yen gab nach der Ankündigung leicht nach und notierte bei 160,34 je US-Dollar. Seit vergangener Woche bewegt sich die Währung um die Marke von 160 und bleibt damit in der Nähe des Niveaus, das das Finanzministerium Ende April zu Interventionen am Devisenmarkt veranlasst hatte.

Sitzung ohne Zentralbankchef
BoJ-Chef Kazuo Ueda war in der vergangenen Woche wegen einer Infektion infolge einer Leberzyste ins Krankenhaus eingeliefert worden. Es war das erste Mal seit einer Notsitzung im Jahr 2010, dass der Rat ohne anwesenden Gouverneur tagte.

Ueda wollte seine Ansichten dem Rat übermitteln, ohne an der Abstimmung teilzunehmen, hatte die Bank of Japan mitgeteilt.

Weitere Zinsschritte möglich
Investoren suchten nach Signalen für eine weitere Zinsanhebung in den kommenden Monaten. Zwar haben die USA und der Iran erklärt, eine vorläufige Vereinbarung zur Beendigung ihres Kriegs und zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus erreicht zu haben. Dennoch bleiben Nippons Währungshüter wegen der Risiken einer steigenden Inflation vorsichtig. Weiterhin warten Hunderte Schiffe auf eine sichere Passage der Meerenge zum Persischen Golf.

Zusätzlichen Preisdruck verursacht die anhaltende Schwäche des Yen, die für das rohstoffarme Japan besonders belastend ist. "Ich glaube, dass die Haltung der BoJ unverändert bleibt und sie etwa alle sechs Monate schrittweise Zinserhöhungen vornehmen wird. Eine weitere Zinserhöhung noch in diesem Jahr ist ebenfalls möglich", sagte Harumi Taguchi, Chefökonomin bei S&P Global Market Intelligence. "Die Rohölpreise sind leicht gesunken, aber ich glaube, dass der Inflationsdruck anhalten wird." (mb/Bloomberg)