Aufgrund der starken Auswirkungen des Lockdowns auf die österreichische Wirtschaftsentwicklung über den Winter sind trotz einsetzender Erholung die Wachstumsaussichten für das Gesamtjahr 2021 begrenzt. "Nach der Rezession im Winter ist – begünstigt durch die wärmere Jahreszeit und aufgrund der fortschreitenden Durchimpfung der Bevölkerung im zweiten Quartal – eine Gegenbewegung der Konjunktur zu erwarten, die allerdings vorerst nur von Nachholeffekten angetrieben werden wird. Erst im Verlauf des Sommers sollte eine Entspannung der Pandemie weitreichende wirtschaftliche Lockerungen ermöglichen, die eine anhaltende Erholung in Gang setzen. Wir gehen aktuell von einem Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent für 2021 aus, das sich 2022 auf 5,7 Prozent beschleunigen dürfte", meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Erst Mitte 2022 sollte die österreichische Wirtschaft, deren Leistung aktuell rund neun Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegt, die Outputlücke wieder geschlossen haben. 

Inlandsnachfrage als treibende Kraft der Erholung
Der Aufschwung wird in den kommenden beiden Jahren neben der Erholung des internationalen Handels vor allem vom Rebound der Inlandsnachfrage angetrieben werden. So geht der Ökonom davon aus, dass nach einem besonders starken Einbruch insbesondere der private Konsum für Schwung sorgen wird gestützt auf die während der Lockdowns angehäuften Sparvolumina sowie die schrittweise Entspannung der Lage am Arbeitsmarkt. 
Auch die Investitionsbereitschaft sollte angesichts aufgeschobener Investitionen und des anhaltend günstigen Finanzierungsumfelds wieder deutlich anspringen, wenn auch in vielen Betrieben ein Schuldenabbau als Reaktion auf die während der Pandemie gestiegenen Verbindlichkeiten Vorrang haben dürfte und auch steigende Insolvenzzahlen die Investitionsdynamik beschränken dürfte. 

"Die Inlandsnachfrage wird der wirtschaftlichen Erholung in den kommenden beiden Jahren den Schwung verleihen. Sowohl der private Konsum als auch die Investitionstätigkeit werden dabei ganz wesentlich von einer expansiven Fiskalpolitik auf nationaler und europäischer Ebene und der lockeren Geldpolitik der EZB unterstützt werden", so Pudschedl. Zusätzliche Wachstumsunterstützung sollte die europäische und österreichische Wirtschaft indirekt vom massiven Konjunkturpaket erhalten, das von der neuen US-Regierung geplant wird. 

Inflation steigt 2021 an
"Trotz der offensiven Fiskalpolitik der Regierung sowie der Fortsetzung des expansiven geldpolitischen Kurses der EZB wird sich die Inflation in Österreich 2021 und 2022 in einem überschaubaren Rahmen von rund zwei Prozent im Jahresdurchschnitt bewegen. Nach niedrigen Werten zu Jahresbeginn ist allerdings im laufenden Jahr auch mit Werten klar über der Marke von zwei Prozent zu rechnen. Dies ist zum einen auf die stärkere Nachfrage, die in einigen Dienstleistungsbranchen zu einer höheren Preisdynamik führen dürfte, und zum anderen auf den gestiegenen Ölpreis zurückzuführen", meint Pudschedl. (gp)