"Auch wenn der erneute Lockdown für manche Branchen in Österreich ähnlich stark ausfällt wie im Frühjahr zeigen die Aktivitätsniveaus in Österreich einen etwas geringeren Einbruch", erklärt Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Unicredit Bank Austria und ergänzt: "Trotzdem wird Österreichs Wirtschaft im vierten Quartal 2020 erneut in eine Rezession eintreten". 

Die Ökonomen der Unicredit Bank Austria erwarten, dass der Lockdown in den meisten Ländern Europas bis zum Beginn des Frühjahrs 2021 anhalten wird. Trotz einiger Lockerungsmaßnahmen wird die sich abschwächende Industriekonjunktur im ersten Quartal 2021 erneut zu einem leichten Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) führen. "Mit Frühlingsbeginn und erst recht über den Sommer ist dann mit einer deutlichen Belebung der Wirtschaft sowohl in Österreich als auch in den meisten Ländern Europas zu rechnen", sagt Bruckbauer. 

Hohe Sparquote könnte Konjunkturerholung bremsen
Für die weitere Erholung in den kommenden zwei Jahren ist für den Chefvolkswirt entscheidend, wie sich die Konsumenten in Bezug auf das hohe Sparvolumens verhalten werden. Die Sparquote dürfte 2020 in Österreich rund 14 Prozent erreichen, im nächsten Jahr mit elf Prozent noch immer über dem Vorkrisenniveau von rund acht Prozent bleiben und damit die Konjunkturerholung bremsen. Auch bei den Investitionen der Unternehmen ist nach dem Einbruch um über sechs Prozent 2020 noch bis 2023 nicht damit zu rechnen, dass der Vorkrisentrend erreicht werden kann, was das Wachstumspotential in Österreich entsprechend dämpfen wird. 

Obwohl die Ökonomen der Unicredit Bank Austria davon ausgehen, dass mittelfristig die Trends wieder in den Vordergrund rücken, die bereits vor der Pandemie bestimmend waren – wie Digitalisierung, nachhaltiges Wirtschaften und globale Handelskonflikte – wird die Region Asien gegenüber dem Rest der Welt und werden Güterproduzenten gegenüber Dienstleistungsanbietern in den nächsten zwei Jahren im Vorteil sein. Österreichs Wirtschaft erreicht mit rund 3,5 Prozent ihrer Nachfrage aus Asien in etwa Euroraum-Durchschnitt, während Deutschland mit einem Anteil von fünf Prozent etwas günstiger abschneidet.

Im internationalen Vergleich ungünstiger
Hinsichtlich der von der Pandemie kurzfristig negativ betroffen Branchen liegt Österreich jedenfalls im internationalen Vergleich aufgrund des hohen Anteils des Tourismus ungünstiger. "Mit dem hohen Tourismusanteil an der österreichischen Wirtschaftsleistung dürfte Österreich in den kommenden Jahren ungünstigere Wachstumsvoraussetzungen als etwa Deutschland, Frankreich oder die Schweiz haben", meint Bruckbauer. Um so wichtiger ist es für Österreichs Wirtschaft, dass die Politik mit einer das Wachstum stützenden Politik zusätzliche Impulse setzt.

"Nach dem starken Rückgang des BIP um 7,5 Prozent im Jahr 2020 wird mit der im Frühjahr einsetzenden Erholung die österreichische Wirtschaft 2021 ein Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent und 2022 von sogar 5,2 Prozent erreichen können", so Walter Pudschedl, Ökonom der Unicredit Bank Austria. Er ergänzt: "Die Entwicklung wird von der sehr unterschiedlichen Betroffenheit der einzelnen Wirtschaftsbranchen von der Pandemie und den Maßnahmen zu deren Eindämmung gekennzeichnet sein." (gp)