Zahlreiche Börsenanalysten hören dieser Tage die Alarmglocken läuten. Sie gehen davon aus, dass eine Rezession kurz bevorsteht. Dafür sprechen gleich mehrere Indizien, insbesondere die Zinsstrukturkurve. Letztere gilt als einer der wichtigsten Rezessionsindikatoren, erklärt Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei Axa Investment Managers (Axa IM). "In der Vergangenheit hat sie oft mit längerem zeitlichem Vorlauf auf eine Rezession hingedeutet", sagt er.

Wenn die Zinsen für kurzfristige Anleihen genauso hoch liegen wie die für langlaufende Schuldtitel oder womöglich darüber, gilt das als Hinweis auf einen anstehenden konjunkturellen Abschwung. Fakt ist: Die US-Zinsstrukturkurve wird gerade sehr flach. Der Abstand zwischen kurzem und langem Ende ist von 260 Basispunkten Anfang 2014 auf aktuell um die 20 Basispunkte zusammengeschnurrt. Seit sicher ist, dass die US-Notenbank die Geldmarktzinsen weiter in Richtung drei Prozent anheben wird, wächst am Börsenparkett die Angst, die Zinsstrukturkurve könnte sogar invers werden, erklärt Wenzel. 

Anleger sollten Gewinne mitnehmen
Die Fed macht sich Sorgen wegen der überbordenden Inflationserwartungen, sagt der Axa-IM-Experte. Er geht davon aus, dass Konjunktur im kommenden Jahr einen leichten Dämpfer bekommt, während die Inflation weiter um die Zwei-Prozent-Marke pendelt. Wenzel hält es für wahrscheinlich, dass das Wachstum von 2,9 Prozent auf 2,25 Prozent sinken wird. Weitere Rezessionssignale sieht er in den Zinsdifferenzen von Unternehmensanleihen sowie in den steigenden Ausfallraten. Der Anlageprofi empfiehlt Investoren, bei zwischenzeitlicher Kursstärke Gewinne mitzunehmen. (fp)