Man soll die Börsensaison nicht vor dem Ende loben – selten war dieser Satz stimmiger als 2018: Nach einem hoffnungsfrohen Auftakt, der den Dax bei einem neuen Allzeithoch von rund 13.560 Zählern bereits Mitte Januar der von Auguren fürs Gesamtjahr ausgerufenen Marke von 14.000 Punkten nahe brachte, gings erst zögerlich und mit Beginn der zweiten Sommerhälfte rasant abwärts. Am Ende stand ein Minus von 18,4 Prozent zu Buche.

Auf europäischer Ebene bietet sich dasselbe Bild: Auch den Euro Stoxx 50 verließen nach forschem Antritt Mitte Januar die Kräfte. Akute Schwächeanfälle vor allem bei Bank- und Automobilaktien rissen ihn ebenso wie den Dax in die Tiefe – mit entsprechenden Konsequenzen auch für Fonds, die in Euroland-Aktien investieren, wie das jüngste FONDS professionell Fondsbarometer eindrucksvoll belegt. Wegen des fortwährenden Niedergangs an der Börse flog die Deutsche-Bank-Aktie im Herbst sogar aus dem europäischen Bluechip-Barometer, während der nationale Branchennachbar Commerzbank beinahe zeitgleich den Stammplatz im Dax räumen musste.

Bedeutungsverlust deutscher Banken ist mehr als ein Ausrutscher
Traurige Wahrheit: In der Rangliste der nach Marktkapitalisierung größten Geldhäuser der Welt belegt Deutschlands führende Geschäftsbank Bloomberg-Daten zufolge nur mehr Platz 88, die Commerzbank Platz 139. Selbst wenn sich die häufig kolportierte Fusion der beiden Häuser 2019 allen Dementi der Verantwortlichen zum Trotz materialisieren würde: Mit einem summierten Börsenwert von 23 Milliarden Euro bliebe eine "Deutsche Commerzbank" im europäischen Vergleich nur Mittelmaß – von globalen Playern wie einer JP Morgan (Börsenwert rund 300 Milliarden Euro) ganz zu schweigen.

Beide Branchen – das Finanzgewerbe ebenso wie der Automobilbau – stehen symptomatisch für zwei dominante Themen des ausklingenden Börsenjahres: Ausufernder Protektionimus in Form eines zum Krieg eskalierenden Handelsstreits einerseits, was der exportlastigen PS-Branche – von Dieselskanadalen und anderen Schummeleien einiger Hersteller abgesehen – schwer zusetzte. Und andererseits die hartnäckigen Niedrigzinsen, die klassischen Kreditinstituten – in Kombination mit der verschleppten Digitalisierung – das Wasser abgraben und zugleich demonstrieren, dass Sparmaßnahmen alleine keine Überlebensstrategie sind.

"Günstig" bedeutet noch längst nicht "gut"
Dass sich an den ökonomischen Rahmenbedingungen oder den politischen Konfliktherden 2019 etwas rasch und vor allem zum wesentlich Besseren ändert, erwartet kurz vor Ultimo kaum ein Kapitalmarkt-Kenner. Tenor der von FONDS professionell ausgewerteten Investmentausblicke: Die wirtschaftliche Dynamik in den (noch) 19 Mitgliedsländern der Eurozone wird im Jahresverlauf weiter nachlassen. Auch der einstige konjunkturelle Musterknabe Deutschland zeigt erhebliche Ermüdungserscheinungen.

Zwar betonen zahlreiche Auguren, wie preiswert europäische Aktien – gemessen an gängigen Bewertungsrelationen wie Kurs-Buchwert-, Kurs-Umsatz- oder Kurs-Gewinn-Verhältnis – im Vergleich zu ihren amerikanischen Pendants, aber auch im mehrjährigen Durchschnitt zu sich selber sind. Dass sich daraus in Bälde ein echter Kaufanreiz ableitet, darf nicht nur, sondern muss bezweifelt werden.

Wie Anlagestrategen, Fondslenker und Ökonomen bei Banken, Versicherern und Asset Managern die Aussichten für den Dax und den Euro Stoxx 50 für 2019 einschätzen, sehen Sie in der Bildergalerie oben. (ps)